Bad UX Examples


Sony SLT A58 – eine echt spezielle Nutzererfahrung 13

Das ist jetzt ein bisserl off-topic aber doch auch wieder ein gutes Beispiel dafür, wie vielschichtig die Qualität und Nutzererfahrung eines Produkts ist. Bin vor einem halben Jahr von meiner Lumix FZ150 auf die digitale Spiegelreflexkamera Sony SLT A58 umgestiegen. Die A58 ist als Einsteigerkamera gedacht und was die Bedienung und Menüführung angeht, gibt es auch wirklich nix zu meckern ABER… wenn man etwas mehr aus der Kamera rausholen will, beginnt ein Höllenchaos, was Zubehör und Anschlüsse angeht. Nachdem ich selbst stundenlang recherchiert habe, möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen, vielleicht sparts euch ja den einen oder anderen Nerv:

  • Blitz für die A58
  • Fernauslöser für die A58
  • Entfesseltes Blitzen mit Softbox
  • Lightroom Tethering

sony a58 vorne

Blitz für die A58

Eine der größten Hürden im Umgang mit der A58 ist die Frage nach dem passenden Blitz, denn die A58 hat nicht mehr den alten Sony/Minolta Blitzschuh, sondern den neuen ISO-kompatiblen Multi-Interface-Schuh:

sony a58 multi interface shoe

Beim Blitz-Kauf heißt es deswegen aufpassen, denn Blitze, die aktuell als passend für Sony-Kameras beschrieben sind, passen zwar meistens auf den alten Sony/Minolta Schuh, nicht aber auf die A58. Einfacher wird es, wenn die passenden Modelle explizit genannt werden. Die A58 wird hier zwar nie aufgeführt, ein Blitz, der aber z.B. auf die A37 passt, passt definitiv NICHT direkt auf die A58. In dieser Anfangsverwirrung hab ich mir den Metz 52 AF-1 Blitz in der Sony-Variante gekauft:

metz blitz 52 af1

Super Blitz, passt nur leider nicht direkt auf die A58. Hier der Anschluss des Metz:

metz 52 af1 anschluss unten

Man kann diesen Blitz trotzdem nutzen, braucht dazu allerdings den Adapter ADP-MAA von Sony (schlägt mit 30 EUR zu Buche) – der wird uns nachher übrigens noch ganz schön ärgern…:

sony blitz adapter adp maa

Der Anschluss des Adapters unten sieht so aus:

sony adapter adp maa anschluss unten

Blitz zusammen mit Adapter sieht so aus und funktioniert direkt auf der Kamera wunderbar:

metz 52 af 1 mit sony adapter adp maa

Achtung! Mittlerweile gibt es einen weiteren Blitzschuhadapter von Sony mit der zusätzlichen runden Steckerbuchse für externe Blitze (keine Ahnung, wie das genau heißt, dazu schweigt sich die Sony Webseite leider aus – auch ein ganz gewaltiges Manko: echt armselige Webseite und Dokumentation). Und ja: man kann natürlich auch den original Sony-Blitz für 650,- EUR kaufen, der passt auf jeden Fall…

Fernauslöser für die A58

OK, Blitzhürde erst mal genommen. Nächste Anforderung: Fernauslöser für die A58. Wollte ein paar Fotos von mir für den Blog schießen ohne jedes Mal zur Kamera rennen zu müssen. Dachte immer, das sei Standardzubehör für Kameras, nicht so für die A58.

Dummerweise hat die A58 keinen Infrarotsensor mehr, so dass ein klassischer Fernauslöser hier nicht funktioniert. Der Sony-Support empfahl mir das hier: Kabelauslöser für 70,- EUR und sensationell umwerfenden 88cm Kabel oder die Möglichkeit per PC und Remote Camera Control auszulösen. Für meinen Anwendungsfall heißt das, dass ich entweder nur meine dicke Nase in den Blog stellen kann oder auf jedem Bild mein Laptop zu sehen ist. Arghhh…

Zum Glück gibt es seit einigen Wochen die RCCDroid App vom RCCDroid-Team um Bernhard Glensk, die Android-Nutzer zumindest aus der Entfernungsmisere befreit und handlicher ist, als ein Laptop. Zusammen mit zwei Kabeln und dem Smartphone, kann ich mich jetzt zumindest schon 5m von der Kamera wegbewegen – mit dem Kabelgedöns zwar immer noch keine clevere Lösung für Selfies aber immerhin schon mal etwas besser:

sony a58 fernauslöser mit rccdroid pro app2

Für den Anschluss des Smartphones an die Kamera braucht ihr folgende Kabel:

sony a58 fernausloeser kabel

An der Kamera drückt ihr den „Menü“ Knopf. Im Reiter „Einstellungen“ (der mit dem Schraubenschlüssel) geht ihr auf Seite 2 und stellt „USB connection“ auf „PC remote“. Sobald die Kamera angesteckt und eingeschalten ist, könnt ihr über die RCCDroid App die Kamera einstellen und auslösen. Die Bilder werden direkt auf dem Smartphone angezeigt und auch dort gespeichert.

sony a58 fernauslöser mit rccdroid pro app

Kosten: 7,50 EUR für das lange Kabel, 6,- EUR für den Adapter, die Basisversion der App ist kostenlos. Nix 70,- EUR für 88cm…

sony a58 fernausloeser mit rccdroid pro app

Entfesseltes Blitzen mit Softbox

Beflügelt vom Erfolgserlebnis des günstigen Fernauslösers wollte ich das gesparte Geld gleich weiter investieren in eine Softbox und einen Funkauslöser, um für Portraits ein weicheres Licht zu bekommen. Die Softbox hatte ich beim Workshop neulich ausprobiert, super handlich und hochwertig: die SMDV Strobist Speedbox Softbox 60cm . Das Stativ war noch übrig von einem Satz Studioleuchten…

16 SMDV Strobist Speedbox Softbox 60cm

Schwieriger wurde es wieder mal mit dem Blitz. Der Metz mit Adapter passt zwar problemlos in die Halterung der Softbox, fernauslösen funktioniert allerdings nur, wenn auch der interne Blitz der A58 geöffnet ist:

Slave Blitz auslösen über den eingebauten Blitz der A58

  • An der Kamera im P, A, S oder M Modus die „FN“ Taste drücken, „Flash Mode“ auswählen, dann „WL“ für „wireless“ auswählen
  • Eingebauten Blitz der A58 öffnen
  • Am Metz Blitz den Modus „Slave“ wählen.

Geht einfach, hat aber den Nachteil, dass man das Motiv zusätzlich zur Softbox immer auch mit dem eingebauten Blitz anblitzt. Einige Beleuchtungsszenarien, wie z.B. reines Seitenlicht, lassen sich so nicht realisieren.

Slave Blitz auslösen über Funkauslöser
Hier kann der Blitz unabhängig vom eingebauten Blitz der A58 ausgelöst werden. Allerdings braucht man dazu noch eine Funkauslöser. Yeah! Wieder ein Teil, das in Kombination von Sony und dem Multi-Interface-Schuh schwer zu bändigen ist. Nachdem selbst der Fachhändler unschlüssig war, was hier funktioniert, hab ich mal wieder ordentlich viel gelesen:

  • Yongnuo RF-602 funktionieren wohl zwar auf Sony Kameras (siehe Forum hier…), hier sind Sender und Empfänger aber unterschiedliche Geräte. Beim RF-603 kann dagegen jede Komponente Sender oder Empfänger sein.
  • Yongnuo RF-603 funktioniert auf Sony scheinbar nur, wenn man einen Widerstand einlötet (Anleitung hier im Forum) – bevor ich allerdings an was rumlöte, müsste ich mir erst ordentlich einen reinlöten. Definitiv keine Lösung …
  • Am Ende gekauft: Yongnuo RF-603II: die Nikon-Version N1, Canon-Version sollte aber auch funktionieren. Passt ohne Adapter auf die A58, aber…

Yongnuo Blitzausloeser RF 603NII

funktioniert leider nicht mit dem Metz 52 AF-1 in Kombination mit dem Sony Adapter ADP-MAA – Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh…. Im Keller zum Glück noch einen uralten Blitz von der analogen Spiegelreflex gefunden und siehe da, so funktioniert es!

Yongnuo Blitzausloeser mit altem Blitz

Haken an der Sache: der alte Blitz hat genau 0 Einstellmöglichkeiten, d.h. ich muss alles über die Kamera regeln. Mal schauen, wie weit ich damit komme. Falls es jemand hilft: so sieht der Anschluss des alten Blitzes aus, ein einfacher Mittenkontakt:

Anschluss am alten Blitz

Lightroom Tethering

Ja klar, nach all diesen Hardware-Torturen musste es zur Abwechslung dann doch auch mal ein Software-Problem sein: die A58 mit Lightroom tethern (also Fotos direkt nach der Aufnahme auf dem Laptop anzeigen). Eigentlich geht man dazu in Lightroom einfach ins Menü Datei -> Tether-Aufnahme -> Tether-Aufnahme starten. Nicht so mit der A58. Hier muss man zunächst die Software „Remote Camera Control“ von Sony installieren:

Screenshot Sony Remote Camera Control

Die Software kommt in gewohnt armseliger Sony-Gestalt und Funktionalität daher – hab ich aber nicht anderes erwartet, bin ja leidgeprüfter Sony-Kunde mit Laptop und Smartphone und egal, was die an Software liefern, es ist einfach immer übel. Egal…

Um die Fotos jetzt direkt in Lightroom anzuzeigen, geht ihr so vor:

  • Verbindet die Kamera über USB-Kabel mit dem PC/Laptop.
  • An der Kamera unter Einstellungen „PC remote“ auswählen (wie beim Fernauslöser)
  • Gebt im Remote Camera Tool unter „Speichern unter“ einen Ordner an, in den die Fotos direkt von der Kamera importiert werden sollen.
  • In Lightroom öffnet ihr das Menü Datei -> Automatisch importieren -> Einstellungen für automatischen Import.
  • Hier wählt ihr bei „Überwachter Ordner“ den Import-Ordner aus dem Remote Camera Tool aus und kopiert die Bilder an eine beliebige Stelle weiter.

Wenn ihr jetzt ein Foto macht, öffnet es sich direkt in Lightroom. Warum einfach, wenns auch umständlich geht…

Sonstiges Zubehör

Folgendes Zubehör habe ich mir darüber hinaus noch gekauft und bin zufrieden damit:

Objektive

  • Kit-Objektiv 18-55mm
  • Tele: Tamron SP 70-300mm
  • Makro: Sigma 105mm, 1:2,8 DG Makro HSM
  • Weitwinkel: Sigma 10-20mm 1:3,5
  • Sony SAL50F18 1,8 / 50mm SAM

Objektive für Sony a58

Dann noch ein Lastolite Aufheller/Reflektoren Set, einhändig mit 8 verschiedenen Oberflächen:

lastolite einhändiger Aufheller und Reflektor

Und zu guter Letzt noch was, um den ganzen Schlunz zu schleppen: der Lowepro Flipside 400 Fotorucksack. Klasse an dem Rucksack ist, dass man ihn über den Hüftgurt nach vorne drehen kann und man unterwegs so eine Arbeitsfläche zum Wechseln der Objektive hat.

lowepro fotorucksack

Mein Fazit

  • Wenn nochmal jemand die A58 eine Einsteigerkamera nennt, dann tret ich ihn.
  • Sony, wenn ihr eine Einsteigerkamera baut, dann sollte das GESAMTE Handling der Kamera auch für Einsteiger geeignet sein.
  • Wer es gerne exotisch und weltoffen mag, für den ist die A58 bestens geeignet. Ich lese Foren mittlerweile in 4 Sprachen.
  • Die A58 ist eine klasse Kamera aber die Zubehör-, Feature- und Informations-Politik von Sony schränkt den Spaß am Produkt doch schwer ein. Bin halbwegs guter Dinge, dass sich das nach dem Zusammentragen des Equipments legt. Erste Fotos mit der A58 findet ihr hier: https://www.flickr.com/photos/87942234@N00/

Usability on the Road

Da steh ich vor dem Aufzug und der Aufzug kommt nicht. Warum bloß, ich hab doch auf den Knopf mit dem Pfeil nach oben gedrückt?!?

Schlechte Usability Aufzug

Leider ist hier, was wie ein Knopf zum Drücken aussieht und einen unübersehbaren Pfeil nach oben hat, kein Knopf, sondern lediglich eine Anzeige, in welche Richtung der Aufzug unterwegs ist. Richtig gewesen wäre der „Kommt“ Kopf unterhalb der Pfeile – is klar… Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass das mit dem Pfeil schon mehr Leute, auch mit Nachdruck, versucht haben:

Schlechte Usability Aufzug

Ein Usabilitytest hätte dieses Problem vermutlich schon bei der 1. Testperson ans Licht gebracht.

Am selben Tag hab ich dann noch das hier in der S-Bahn gesehen:

Gute Usability: Straßenbahn

Zuerst musste ich wegen des Wortkonstrukts „Sprechstelle“ schmunzeln, dann, weil das Schild ja eigentlich unter einem Knopf hängt und somit eher „Druckstelle“ heißen müsste. Danach sind mir die Leuchten für Warten, Sprechen und Hören aufgefallen, und ich hab mir kurz überlegt, wie ruhig es zu Hause wäre, wenn es an jedem Platz unseres Esstischs so eine Anzeige gäbe… 😉 Im Nachhinein frage ich mich allerdings, wozu diese Sprechstelle eigentlich da ist. Ist das eine Notruf-Anlage oder vielleicht doch eher eine interne Kommunikationsanlage? Hier würde ein kleiner Hinweis nicht schaden – Platz genug für weitere Schilder ist ja noch auf der Metallplatte…

Die absolut positive Ober-Usability-Verbesserung des Tages war aber die Auskunftstafel der Deutschen Bahn AM GLEIS!!! *Tusch* und *Applaus* für diese Verbesserung – endlich muss man nicht mehr bis in die Halle vorrennen, um nachzuschauen, mit welchem Zug man statt des eben Verpassten fahren kann!

Gute Usability: Bahnhof

Jetzt fehlt nur noch die elektronische Wagenstandsanzeige entlang des Bahnsteigs, die auch dann noch funktioniert, wenn die Wagenreihung mal wieder umgekehrt wurde… 😉


Gut sichtbare AGB Checkbox

Hey, mal wieder ein Blogpost. Hatte die letzte Zeit nur auf meiner Facebookseite gepostet, weil es so bequem ist. Nachdem die Pagefeeds aber zunehmend untergehen, werde ich mich wieder häufiger im Blog äußern (hier ist ein Artikel zum Thema Facebook Page Algorithmen).

Bin heute auf ein nettes Detail gestoßen: am Ende des Bestellprozesses von buttinette.de bekommt man einen Tipp eingeblendet, wenn man mit der Maus über den „Kaufen“ Button fährt und die AGB noch nicht angeklickt hat. Prima Methode zur Fehlervermeidung beim Abschicken des Formulars:

AGB nicht angeklickt Tipp

Krasses Gegenteil hierzu: die Bahn Ticketbestellung. Hier muss man zunächst die Nutzungshinweise zum Kauf eines Onlinetickets bestätigen und auf einer späteren Seite die AGB. Beide Checkboxen gehen aber derart auf der Seite unter, dass ich, obwohl ich die Seiten regelmäßig nutze, oft vergesse einen der Haken zu setzen:

Bahn Buchung AGB 1

Bahn Buchung AGB 2

Woran liegt es? Die Elemente mit den verpflichtenden Angaben sind genauso gestaltet, wie der Rest des Inhalts. Es gibt keine optische Hervorhebung, anhand der Benutzer erkennen kann, dass für diese Elemente eine Eingabe erforderlich ist. Im ersten Beispiel kommt hinzu, dass die Checkbox mitten in der Seite platziert ist, und nicht am Ende. Die meisten Benutzer schauen sich in der Regel aber nur den Anfang und das Ende einer Seite genauer an, der Rest wird überflogen. Dazu ist es eher ungewöhnlich, dass man in der Mitte eines Bestellprozesses überhaupt eine verpflichtende Angabe machen muss.

Besser würde es durch:

  • Hintergrundfärbung der Elemente entfernen, die nur Daten anzeigen (Adressdaten, Reisedaten,…)
  • Verpflichtende Elemente am Ende der Seite platzieren, bevorzugt in der Nähe des „Abschicken“ Buttons wie im Buttinette Beispiel
  • Angaben, die der Kunde aktiv bestätigen muss, am Ende des Bestellprozesses bündeln.

Oh, Umzug auf neuen Rechner…

ist ja nie ein Spaß. Wenn dann aber auch noch solche Sachen dazwischen kommen:

Photoshop Lizenz übertragen

Adobe sagt mir jetzt, wo ich Photoshop auf dem alten Rechner deinstalliert habe, dass ich es vorher hätte deaktivieren müssen. Könnt ihr mir das nicht sagen BEVOR ich das Programm deinstalliere sage oder es bitte gleich automatisch deaktivieren?

Natürlich ist auch genau jetzt auch noch die Website von Adobe offline, so dass sich das Thema auch nicht klären lässt. UuuuuhhhhhX-Katastrophe…

Nachtrag: Gerettet hat das Ganze jetzt letzendlich kompetent und unkompliziert die nette Dame vom telefonischen Support, dafür gibts wieder ein dickes UX+

Nachtrag 2: Bin jetzt wieder am Ende meiner Nerven. Da mir die Dame freundlicherweise die Lizenz erneuert hat, funktioniert der Photoshop jetzt zwar wieder. Ich sollte aber noch die schriftliche Lizenzübertragung des Händlers, von dem ich die Software gekauft habe „hochladen“. O-Ton war: „Loggen Sie sich einfach im Kundenbereich ein, da können Sie das dann hochladen“ … … … Der Kundenbereich ist verdammt groß! Nach langem suchen und vielen Klicks bin ich irgendwann auf der englischen Seite von Adobe gelandet wo mir nach gefühlten 3 Stunden weiterem suchen, angeboten wurde, mir per Chat von einem Mitarbeiter helfen zu lassen. Gerne, dachte ich, der Link, den mir der erneut sehr freundliche Mitarbeiter geschickt hat, hätte vermutlich zur richtigen Seite geführt, wenn nicht zufällig auch diese Seite wieder nicht verfügbar gewesen wäre.

Ich habe jetzt eine Stunde erfolglos in dieses Thema versenkt und werde die Lizenzübertragung deswegen jetzt einfach wieder zu meinen Akten legen und wenn das nächste Mal jemand danach fragt, werde ich sie in einen Briefumschlag packen und per Post verschicken, oder an eine Brieftaube hängen oder in eine Flasche stecken und in den Rhein schmeißen… … .. .


Noch ein Opfer schlechter Apple Usability

Ich hatte neulich mal kurz von meiner Synchronisierungs-Phobie erzählt, nachdem ich mir Ende letzen Jahres meinen kompletten iPod leer synchronisiert habe. Was mich beruhigt: ich bin nicht allein und es hat auch nix mit dem Alter zu tun. Am Samstag fand ich in einem dieser Wochenendblätter folgende Nachricht: Robert Pattinson hat beim Update seines iPhones alle SMS und Bilder gelöscht – und gibt sich dafür auch noch die Schuld.

Robert Pattinson hat Probleme mit der Apple Usability

Nein, lieber Robert, du hast keine Schuld. Schlechte Programmierer und Designer waren es. Und falls jemand von denen gerade mit liest: so sieht übrigens ein Stapel CDs aus, die wegen eines Synchronisierungsunfalls neu gerippt werden müssen – und das ist nur meine Alice Cooper Sammlung. Ein Platz in der Usability-Hölle ist euch sicher!

Alice Cooper CDs die wegen schlechter Apple Usability neu gerippt werden müssen


Captcha Usability

Jetzt kommen wieder die ollen Web-Kamellen, denkt ihr sicher. Captchas gibt es schon ewig. Jepp, und genau so ewig funktionieren sie schon nicht vernünftig, wie ich die letzten Tage wieder leidvoll erfahren musste – oder kann von euch jemand den ersten Teil dieses Captchas lesen:

Schlechte Captcha Usability

Dieses Captcha wurde mit dem Dienst reCaptcha von Google erstellt, den man recht häufig im Web findet und der mehr schlecht als recht zu bedienen ist. Also lohnt es sich vielleicht doch, ein paar Worte über das Thema zu verlieren…

Captchas („Completely Automated Public Turing test to Tell Computers and Humans Apart“) werden im Web schon seit vielen Jahren verwendet, um automatisierte Spamattacken zu vermeiden. Eingesetzt werden sie vor allem in Anmelde- und Kontaktformularen oder Kommentarfunktionen von Blogs, Gästebüchern und Foren. Genau an diesen Stellen möchte man als Websitebetreiber eine möglichst geringe Abbruchquote haben. Captchas bringen allerdings eine Menge Nutzungsprobleme mit sich, die zu einer höheren Abbruchquote führen:

  1. Captcha? Kenn ich nicht: Vor allem weniger erfahrene Webnutzer wissen nicht, wozu Captchas gut sind. Erläuterungen sind oft wenig hilfreich oder gar nicht vorhanden. Ergebnis: Nutzer brechen den Vorgang ab.
  2. Schlecht lesbar: Selbst ich als (fast) Normalsichtiger habe immer wieder Probleme Captchas zu entschlüsseln.
  3. Accessibility-Probleme: Die ersten Implementierungen von Captchas waren rein bildbasiert, d.h. der Besucher musste eine Zeichenfolge eingeben, die nur in einem Bild angezeigt wurde. Damit wurden die meisten Besucher mit einer eingeschränkten Sehkraft ausgeschlossen.
  4. Komplexe Bedienung: Um die Accessibility-Probleme zu beheben, wurden bildbasierte Captchas durch Zusatzfunktionen erweitert: Widergabe als Audiodatei, Download der Audiodatei, erneutes Laden des Bild-Captchas. Die neuen Funktionen machten die Bedienung allerdings für alle Benutzer komplexer.

Beispiele für akzeptable Captcha Usability

Wenn schon Captchas, dann bitte so, dass sie den Benutzer möglichst wenig behindern.

  • ebay: Zeichenkette ist relativ gut zu entziffern, kurze Erläuterung der Funktion mit weiterführenden Hinweisen, „Captcha“ wird als Begriff vermieden, sekundäre Interaktionselemente sind auf Hyperlinks reduziert, was die gesamte Komplexität reduziert:
    Beispiel gute Captcha Usability ebay
  • Project Honeypot: Aus Benutzersicht ist das hier eine gut zu bedienendes Captcha, weil man die Zeichenkette gut lesen kann. Kenne mich mit den technischen Hintergründen zu wenig aus, würde aber vermuten, dass diese Lösung genau deswegen am einfachsten zu knacken ist. Was hier natürlich fehlt, sind Alternativen zur Bildausgabe.
    Gut lesbares Captcha von Project Honeypot

Einige neue Lösungen ersetzen die Zeicheneingabe durch andere visuelle Interaktionen, wie Drag’n’Drop oder Videoerkennung. Diese schränken aber wie frühe Captcha-Versionen den Benutzerkreis erheblich ein (für ein Beispiel siehe: Beispielseite wCaptcha). Lösungen, die mit Frage-Antwort Kombinationen oder Rechenaufgaben arbeiten, scheinen mir für die breite Masse ebenfalls nicht geeignet.

Alternativen zu Captchas

Captchas müssen nicht mehr sein, zumal dieser Sicherungsmechanismus immer häufiger ausgehebelt wird. Welche Alternativen gibt es?

  • Spamschutz-Lösungen für Blogs: Für WordPress gibt es verschiedene Plugins, um Kommentare auf Spam zu überprüfen. Das altgediente Aksimet Plugin ist zwar sehr wirkungsvoll, scheint aber mit den europäischen Datenschutzrichtlinien nicht vereinbar zu sein (abschließend ist das noch nicht geklärt). Als Alternative gibt es das datenschutz-konforme Plugin Antispam Bee von Sergej Müller.
  • Universell einsetzbare Spamschutz-Lösungen: Diesen Punkt werde ich an meinen technischen Berater zur weiteren Recherche übergeben. 😉 Prinzipiell kann man anhand verschiedener Kriterien darauf schließen, ob ein Mensch oder eine Maschine ein Formular abschickt, z.B. Dauer, die zwischen Öffnen der Seite und dem Abschicken eines Formulars vergeht, wie häufig ein Formular von derselben IP-Adresse verschickt wird, Browser-Interaktion einbauen, versteckte Eingabefelder, u.v.m. Wie wirksam diese Methoden sind, soll sich Christian mal anschauen.

Fazit
Wer Captchas einsetzt, muss sich im Klaren darüber sein, dass er nicht nur Spammer ausschließt, sondern auch echte Interessenten. Für Blogs gibt es die oben genannten Alternativen zur Vermeidung von Spam. Was Kontakt- und Anmeldeformulare angeht, würde ich in der Praxis zunächst das tatsächliche Spam-Aufkommen beobachten. Solange ich auf 10 echte Anfragen 1 Spamnachricht bekomme, kann ich diese noch manuell aussortieren. Wird es mehr Spam, muss eine automatisierte Lösung her. Sobald ich Neuigkeiten zum Thema habe, melde ich mich. Wenn ihr Ideen oder Anregungen habt, immer her damit – per Kommentarfeld ohne Captcha versteht sich. 😉


Lange Webadressen auf Papier

Hab gerade eine Paket-Retoure fertig gemacht. Statt eines Retouren-Aufklebers lag dem Paket das hier bei:

Natürlich habe ich mich bei der Eingabe der Adresse prompt vertippt. Wie man es besser macht?

  1. Eine kürzere Domain als Einstieg verwenden (zum Beispiel abholportal.de, dhl-abholung.de)
  2. Die Händleradresse durch Eingabe des Händlernamens auf der Website ermitteln

Statt 110 Zeichen müsste der Kunde nur noch 30 Zeichen eingeben, was wesentlich schneller geht und weniger fehleranfällig ist.


UX technischer Expertenprodukte

War gestern bei den Worldhostingdays in Rust und hab mir unter anderem Anbieter von Backup-Lösungen (das Thema lässt mich nicht los 😉 ), Webstatistiktools und CRM-Lösungen angeschaut, die ich die Tage mal intensiv testen und darüber berichten werde.

Aus der Vorrecherche zur Messe kann ich noch ein paar Schmankerl mit euch teilen. So taucht ein Anbieter, der Lösungen zum ABWEHREN von DDoS Attacken verkauft, so in Google auf:

Mein Hinweis, dass die Ergänzung des Wortes „protection“ oder „mitigation“ den Titel weniger so anhören lassen würde, als könne man DDoS Attacken bei ihnen buchen, führte zu großer Erheiterung. 😉

Auch spannend die Startseite von Netapps. Dem Namen nach hatte ich eine Firma erwartet, die Apps entwickelt. Schaut euch mal nur die Startseite des Anbieters an und sagt mir, was die Firma verkauft? Klarer Fall von Homepage Identitätskrise, die Firma bietet nämlich Speichersysteme an. Das wird aber mit keinem Wort erwähnt und lässt sich auch nicht aus den Visuals ableiten.

Und noch ein letztes Beispiel: diese Bestellseite https://www.4psa.com/store-products.html?id=2.

Habe vergeblich versucht, einen Artikel in den Warenkorb zu legen, bis ich gemerkt habe, dass die Artikelanzahl auf „0“ steht. Diese sollte auf „1“ stehen, ansonsten muss der Kunde zweimal klicken um zu bestellen: einmal um den Zähler auf „1“ zu stellen und einmal um den Bestellknopf zu drücken. Und natürlich muss er erst mal darauf kommen, dass es am Zähler liegt. Hohes Risiko für einen Bestellabbruch!


iPad: Mute ersetzt Rotation Lock – eine „Zumutung“

Mensch, was haben uns die Apple-Leute gestern wieder Nerven gekostet mit ihrem neuen iOS.

Einer der Hauptanwendungszwecke unseres iPads ist es, Videos mit unserem Sohnemann aufm Sofa zu schauen. Unverzichtbar dafür: das Rotation Lock, also die Funktion, die schräge Sofa-Lümmler brauchen, damit sich die Inhalte nicht dauernd drehen, wenn man das Gerät mal etwas schief hält.

Bisher konnte man die Funktion über einen Schalter an der Seite des Geräts aktivieren. Gestern Abend übliches Ritual: wir schauen ein Video, danach daddelt Söhnchen noch ein bisschen mit dem Malprogramm rum. Das Programm gibt normalerweise bei jedem Strich, den man zeichnet, unsägliche Töne von sich. Nicht so gestern. Wir stellen fest, dass auch die Töne der anderen Anwendungen nicht mehr funktionieren. Wir durchsuchen alle Einstellungen: alle Töne aktiviert. Wir versuchen es mit dem Laut-Leiseregler: nichts ändert sich, immer noch kein Laut.

Google bringt uns die Antwort: Mit dem neuen iOS wurde der ehemalige Rotation Lock Schalter an der Seite des Geräts neu belegt mit einer Mute-Funktion – allerdings nur für die Systemtöne. Deswegen hat unser Videoton weiterfunktioniert, die Anwendungstöne aber nicht. Die Rotation Lock Funktion ist jetzt in einer neuen Toolbar eingebaut, die sich öffnet, wenn man den iPad Hauptbutton doppelt drückt und im Menü nach links „wischt“.

Sehr umständlich und auch sonst keine gute User Experience:

  • Button-Belegung bei einer Hardware ändern: vor allem bei einer, die nur 4 Knöpfe hat. Mir fällt kein Beispiel ein, bei dem mir das schon mal passiert wäre. Das kann man dem Benutzer nur zumuten, wenn der Button vorher überflüssig war – aber auch dann wird vermutlich niemand den neuen Mehrwert erkennen.
  • Wenn schon Mute, dann echtes Mute: Was hilft es mir, wenn die Systemtöne ausgeschalten sind aber meine Musik oder meine Webseiten weiter plärren? Eine Mute-Funktion ist dafür da, dem Benutzer ein sicheres Gefühl zu geben: das Ding gibt jetzt keinen Laut mehr von sich. Das Pseudo-Mute bringt die zusätzliche Verwirrung, dass das Lautsprechersymbol beim Drücken des Lautstärkereglers nicht das bekannte durchgestrichene „Töne aus“ Symbol für aktivierte Mute-Funktion zeigt, sondern das ganz normale „Töne an“ Icon. Es fehlt jeder optische Hinweis darauf, dass irgendeine Funktion aktiviert ist, die meine Ton-Wiedergabe einschränkt.
  • Rotation Lock ist eine wichtige Funktion und darf nicht versteckt werden: OK, das ist nur meine persönliche Meinung aber ich habe den Rotation Lock Schalter verdammt oft benutzt. Mute dagegen geht auch über den bisherigen Lautstärkeregler. Der ist nämlich so intelligent umgesetzt, dass er, wenn man etwas länger draufdrückt, ohnehin gleich auf lautlos springt und damit echtes Mute erzeugt.

Fazit: die neue Mute-Funktion ist schlecht umgesetzt, überflüssig und verdrängt wichtigere Funktionen. Klares UX:fail!