Monatliche Archive: Januar 2011


ACM Case Study: UX Design and Agile: A Natural Fit?

In der aktuellen ACM communications Ausgabe findet ihr ein Interview zum Thema UX in agilen Projekten: ACM Case Study: UX Design and Agile: A Natural Fit? Im Interview: Julian Gosper (UX-Designer) und Jean-Luc Agathos (Software Architekt), die über die Entwicklung des SAP BusinessObjects Explorers (BOx) berichten.

Da ich selbst gerade ein agiles Projekt „durchlitten“ habe, hat mich natürlich brennend interessiert, wie so etwas beim Riesen SAP abläuft. Ein Halbsatz relativ weit am Anfang des Artikels, legt schnell die Vermutung nahe, dass agile Projekte auch hier nicht anders ablaufen als sonst wo:

Although the Polestar team didn’t have the budget to conduct contextual inquiry […]

Projekte gehen also auch bei SAP an den Start, ohne eine Analyse des Umfelds, in dem das Produkt eingesetzt wird und ohne Anforderungsanalyse bei den späteren Nutzern. OK, niemand, der jemals mit einer SAP Oberfläche gearbeitet hat, wird etwas anderes erwartet haben… ;-).

Ich bin trotzdem neugierig, ob ich irgendwelche Informationen darüber finden kann, wie das Produkt beim Endkunden ankommt. Die Menge an Material ist dünn. Die einzige Rezension zum Thema, abgesehen von einer Menge offiziellem Werbematerial, gibt es von mayato.com:
http://www.mayato.com/downloads/Fact_Sheet_BOBJ_Explorer.pdf

„Der BOx selbst ist ein insgesamt gelungenes Werkzeug, dessen Integration in die „klassische“ SAP-Welt trotz kleinerer Brüche, z.B. bei Berechtigungen, Sprachabhängigkeit und Deployment/ Transport, grundsätzlich gut umgesetzt wurde. Allerdings kommen die Vorteile des BOx primär nur in solchen Anwendungsszenarien zum Tragen, in denen große Datenmengen auf relativ einfache Analysebedarfe treffen.[…] Darüber hinaus darf auch nicht übersehen werden, dass die Bereitstellung von Daten für den BOx, insbesondere bei Verwendung der Data Services, weiterhin spezielles Entwickler- bzw. Beraterwissen erfordert. Die Forderung nach unabhängig von der IT-Abteilung realisierbaren Adhoc-Analysen ist somit auch mit diesem Tool nicht uneingeschränkt erfüllbar.“

Eine euphorische Produktbeschreibung hört sich wohl anders an… Spannend wäre es, Meinungen aus erster Hand, direkt von echten Nutzern zu bekommen. Falls es da draußen also Menschen gibt, die mit dem Produkt schon gearbeitet haben, wäre es spannend zu hören, was ihre Erfahrungen sind!

Abgesehen davon finden sich im Interview noch einige spannende Aussagen zu grundlegenden Fragen des User Experience Designs in agilen Projekten:

Wann sollten UX Designer im agilen Projekt einsteigen?

„If you have a good set of user stories that have been agreed upon by the executive members of the project and include clear definitions of the associated workflows and use cases, then the Agile iterative process can begin. […] On the basis of that, both UX interaction designers and the development team should have enough to get going in parallel.“

Dem möchte ich noch hinzufügen, dass UX-Designer den Productowner bereits bei der Definition der User Stories mit Analysen, wie Usability Tests, Fokusgruppen, Interviews oder Umfragen unterstützen sollten.

UX Design bedeutet mehr als nur Oberflächen entwerfen!

„Collaborating closely with development at that stage was appealing in this particular case, however, because some of the directions we were taking with the user interface were likely to have serious back-end implications—for example, the ability of the application to return and reevaluate facets and visualizations with each click.“

„[…] is that Julian [the UX designer] essentially ended up taking on both roles. He acted as a program manager because he knew what the user stories were and how he wanted each of them to be handled in terms of product functionality. He also had a clear idea of how he wanted all of that to be exposed in the UI and how he wanted end users ultimately to be able to interact with the system. That greatly simplified things from my perspective because I had only one source I had to turn to for direction.“

Wie sieht ein Spezifikationsdokument für Oberflächen in agilen Projekten aus?

„Sometimes a set of wireframes supporting a particular use case seemed to be good enough, since most of what I wanted to communicate could be inferred from them. But there were other times when it would have been helpful for me to break things down into more granular specifications.“

Fazit: in so einem zielgerichteten und geordneten agilen Projekt möchte ich auch mal mitmachen. Vielleicht ergibt sich irgendwann ja mal die Chance… 😉


Windows 7 Backup: Irritierende Fortschrittsanzeige

Die Datensicherung beschäftigt mich weiter. Die Tage habe ich das Windows Backup angeschmissen und bekomme folgenden Screen, der mir den Fortschritt der Sicherung anzeigt:

Screenshot Datensicherung im Betrieb

Weil ich der Geschichte immer noch nicht ganz traue, werfe ich, während ich weiter arbeite, immer mal wieder einen kurzen(!) Blick auf die Fortschrittsanzeige:

Screenshot Datensicherung fertig

Nach 4 Stunden wunder ich mich, dass sich die scheinbare Fortschrittsanzeige keinen Millimeter weiter bewegt und gehe natürlich davon aus, dass sich die Sicherung aufgehängt hat (ich trau der ganzen Sache ja immer noch nicht…). Bis ich dann nach seeeeeehr langem Hinschauen feststelle, dass das, was ich für die Fortschrittsanzeige gehalten hatte (der blaue Balken), die Anzeige für die Speicherbelegung auf meiner externen Festplatte ist.

Zwar ist es schön, dass der Designer versucht hat, der alten Speicherplatzanzeige, die es jetzt seit bestimmt 10 Jahren unter Windows gibt, ein Facelift zu verpassen, die Benutzbarkeit sollte an dieser Stelle aber die Hauptrolle spielen. Windows-Benutzer haben sich daran gewöhnt, dass eine Speicherplatzanzeige ein bestimmtes Aussehen hat und auch wenn pink und blau jetzt nicht mehr unbedingt als zeitgemäße Farbkombination gilt, das Ding funktioniert:

Der Dialog sollte im einfachsten Fall also so gestaltet werden, um die beiden Anzeigen klar voneinander unterscheidbar zu machen:

Was das Redesign der Speicherplatzanzeige angeht: sollte sie modernisiert werden, so sollte das Element an allen Stellen ausgetauscht werden und nicht nur punktuell.


Die UX von Datensicherung und Synchronisierung 3

Uahhh, das Thema Backup hat mich jetzt Tage meines Lebens gekostet! Was ist das mittlerweile bei den riesigen Datenmengen gar nicht mehr so einfach! Dazu noch irgendwelche dubiosen Tools, die alles andere als einen vertrauenserweckenden Eindruck machen. Aber der Reihe nach…

Was bisher geschah:

  1. Der leergesyncte iPod: Ein paar Monate ist es her, da hab ich mir meinen iPod leergesynct, beim Versuch, meine erste im iTunes Store gekaufte Lost-Folge auf den iPod zu übertragen. Kann mich nur noch an eine kryptische Warnmeldung erinnern und dachte mir: „du hast ja nur Video-Sync angeschaltet, da wird schon nix passieren…“ – und leer war das Ding. Seither bin ich gebranntes Kind, was Synchronisierungen angeht (und nein, liebe Apple Leute, ich habe nicht immer alle meine Musik auf meinem Laptop drauf. Meine gerippten CDs sind, pardon, waren nur auf meinem iPod).
  2. Backupdienst Windows 7 Vor 2 Wochen hab ich losgelegt mit diversen Basteleien mit dem Windows 7 Backupdienst und verschiedenen Synchronisierungstools. Die Windows Backup-Lösung funktioniert prima und gibt mir das gute Gefühl, jetzt wenigstens irgendwas an gesicherten Daten in der Hand zu haben. Allerdings trau ich mich nicht, die Daten testweise wieder zurückzuspielen, weil dann garantiert irgendwas kaputt geht. So viel zum Thema Vertrauen… 😉
  3. Die Außer-Haus-Sicherung: Als nächstes gehe ich auf Nummer sicher: ich brenne alle Daten auf DVD mit dem guten alten Nero Express Brenn-Assistenten. Vorteil, die DVDs drück ich demnächst jemand in die Hand, um die Daten außer Haus zu lagern, dann kann auch mal die Hütte abbrennen, ohne dass alles Futsch ist. Jetzt hab ich ist mein Sicherheitsgefühl noch etwas gestiegen. 😉
  4. Ausmisten Das Problem mit den riesigen Datenmenge an Videos, Bildern und meinem alten Uniarchiv bekomm ich in den Griff, indem ich erst mal aufräume. Bilder und Dokumente sortiere ich als allererstes mal durch und schmeiß ganz viel davon weg (Zeitungsabo-Kündigung von 1997 braucht man definitiv nie wieder…). Danach sortiere ich die Daten nach Arbeitsdaten, also Daten an denen sich regelmäßig etwas ändert und Archivdaten, die sich nicht mehr ändern. Die Archivdaten speichere ich jetzt einmalig manuell weg.
  5. Synchronisierung mit PureSync Außer dem Backup hätt ich gern noch eine Sicherung, bei der ich direkt auf die Daten zugreifen kann, also meine Arbeitsdaten synchron auf einem externen Laufwerk haben – gibt mir einfach ein sichereres Gefühl, als so eine verwurschtelte Backup-Date. PureSync soll das können, stellt sich aber im Betrieb zu Anfang etwas wackelig an: erkennt nicht alle externen Festplatten, stürzt am Anfang sehr oft ab, hat ein paar seltsame Einstellungen, die ich nicht verstehe. Nach dem Ausmisten der Festplatte läuft das Ding aber mittlerweile prima.
  6. Aktuelle Arbeitsdaten auf Dropbox: Eine Kopie meiner gerade aktuellen Arbeitsdaten kommt dann noch zusätzlich auf meinen Dropbox-Account, damit ich die Daten auch online zur Verfügung habe. Dropbox ist ein Traum, was Usability angeht und kann von jedem noch so unerfahrenen Benutzer verwendet werden.

UX-Lehre aus dieser Geschichte:

  • Datensicherung ist ein sehr sensibles Thema für Benutzer. Nur der kleinste Funke Instabilität oder Unklarheit in der Bedienung ruft größte Zweifel beim Benutzer vor und führt im Extremfall dazu, dass das Produkt nicht weiter verwendet wird (iTunes habe ich mittlerweile deinstalliert).
  • Synchronisierungen sind ein sehr heikles Thema. Deswegen: wenn etwas gelöscht wird, sag es dem Kunden deutlich! Das macht PureSync zum Beispiel sehr schön: nach dem Vergleich der Daten öffnet sich ein Fenster, indem angezeigt wird, wie viele Daten kopiert und wie viele Daten wo gelöscht werden.
  • Gib dem Benutzer eine deutlich sichtbare Einstellung, um Daten als „Quelldaten: diese Daten niemals automatisch ändern“ zu markieren. Dickes Vorhängeschloss vor meinen Originaldateien.

WordPress@domainfactory bug

Für den Fall, dass der eine oder andere auch darüber gestolpert ist: wer WordPress manuell in sein domainfactory Hosting-Paket installiert, bekommt im Blog keine Bilder angezeigt. Das Problem wird verursacht durch falsche Zugriffsrechte der WordPress-Ordner, in denen die Bilder gespeichert werden.

DF hat mittlerweile zwar einen Foreneintrag zu dem Thema (https://www.df.eu/forum/showthread.php?p=397421), wem allerdings die Aussage „Ändere die Zugriffsrechte auf 750“ so wenig sagt wie mir, hier noch mal der Fix für die DAUs unter uns, die für FTP auch den Windows-Explorer nutzen ;-):

1. Gehe zum wordpress/wp-content Ordner, rechter Mausklick auf den Ordner wp-content. (Jetzt bitte eine Runde Wundern ausschalten) Im Menü den oberen (!) „Eigenschaften“ Eintrag auswählen:

2. Jetzt die Checkbox bei „Gruppe“ „lesen“ aktivieren (rot umrandet im unteren Screen) und „OK“ klicken. Das wiederholt ihr jetzt einfach für alle Ordner, die sich unterhalb des uploads-Ordners befinden (die Jahresordner und darunter die Monatsordner 01-12):


Wacom Bamboo Fun

Ist ja nicht so, dass Grafikdesign zu meinen Kernkompetenzen zählt, allerdings bastel ich doch gern von Zeit zu Zeit mal ein wenig damit rum. Seit längerem liebäugle ich schon mit einem Grafiktablett. Nachdem mir meine lieben Ex-Kollegen einen dicken Amazon-Gutschein zum Ausstand geschenkt haben, hab ich mir das hier gegönnt:

Das Wacom Bamboo Fun Pen & Touch

Hiermit eröffne ich nun auch die erste Kategorie in meinem Blog: UX Reviews. Hier werde ich mit euch teilen, was mir im Alltag an Beispielen gelungener oder weniger gelungener UX begegnet. Die Idee kam mir, als ich das Wacom ausgepackt habe. Das allein hat nämlich schon Spaß gemacht:

1. Verpackung sieht gut aus:

2. Die Verpackung spricht mich sogar freundlich an:

3. Das Produkt sieht klasse aus und fühlt sich prima an (Foto siehe oben)

4. Keine lange Installationsanleitung, sondern nur das Wesentlich (eine Männer-taugliche Anleitung sozusagen… 😉 ):

5. Und dann noch dieses nette Detail: Eine Lasche aus Stoff als Stifthalter. Textilien an technischen Geräten finde ich eine total coole Kombination ;-):

6. Der Produktbereich im Web ist sehr übersichtlich, gut kategorisiert und designer-tauglich gestaltet. Upsell und Selfcare sind auch sehr gut integriert:

Ich würde meinem Ruf als UX-Nörgler nicht gerecht, wenn ich nicht auch noch hier ein paar Haken finden würde… 😉

1. USB-Kabelsalat: Der sieht nicht nur unschön aus, sondern behindert mich auch bei der Platzierung des Geräts auf dem Tisch:

2. Passwortvergabe für den Produktbereich im Web. Hier soll ich ein Passwort mit mehr als 10 (ja zehn!) Zeichen eingeben. Ich kenne niemanden, außer paranoiden Sysadmins, der derart lange Passwörter verwendet. 98% aller Benutzer (Schätzung meines Bauchs) verwenden ohnehin immer dasselbe Passwort, das garantiert nicht länger als 8 Zeichen ist (das Geburtsdatum, falls es nicht „Passwort“, der Vorname, der Nachname oder der Name der Katze ist). Diese Beschränkung sollte man dem Kunden an dieser Stelle nicht zumuten, da es die Wahrscheinlichkeit der Registierung und des erfolgreichen Wiedereinloggens verringert.

Jetzt stellt sich natürlich noch die Frage, wie sich das Gerät bedienen lässt. Kurz gesagt: ungewohnt aber sehr intuitiv. Definitiv nichts, was man ohne Üben hinbekommt. Aber dafür gibt es auch etliche nette Trainingsprogramme auf der beiliegenden CD. Hab gestern während ich telefoniert habe ein wenig gekritzelt (das was ich sonst auf dem Papier nebenbei machen würde 😉 ). Hier die ersten Ergebnisse:

Das erste nenne ich Frau Holle auf dem Donnerbalken:

Danach kam das Alien-Ding:

Und noch was Abstraktes:

Fazit: 6 UX Bonuspunkte, 2 UX Minuspunkte. Insgesamt ein tolles Gerät, dessen sich der Benutzer allerdings erst noch würdig erweisen muss ;-).