Usability


Usability der Kommandozeile

„Inga – eine ganz andere Frage: würdest Du command line interfaces als benutzerfreundlich bezeichnen? Ich meine ja – aber meine Kollegen sind zum Teil anderer Ansicht.“

Wie so oft ist die Antwort ein eindeutiges „es kommt darauf an“. Die Diskussion dreht sich darum, ob eine Datenbankabfrage per Kommandozeile benutzerfreundlicher ist, als eine Datenbankabfrage per grafischer Oberfläche (in diesem Fall SPSS). Schauen wir uns die Eingaben mal an.

So sieht die Abfrage per Kommandozeile (incl. Ergebnis) aus:

Datenabfrage Kommandozeile

Und das ist der Weg in der grafischen Oberfläche (die gelben Kreise entsprechen Mausklicks):

Datenbankabfrage grafische Oberfläche SPSS

Datenbankabfrage grafische Oberfläche SPSS

Der Eingabe von 40 Zeichen auf der Tastatur stehen somit 5 Mausklicks gegenüber. Das allein lässt allerdings noch keine Aussage über die Benutzerfreundlichkeit zu. Schauen wir uns die Kriterien der Benutzerfreundlichkeit im Detail an:

  • Erlernbarkeit (learnability): Der Lernaufwand für die Kommandozeilensyntax ist höher als für die grafische Oberfläche. Statt eines Klickwegs (was Benutzer in der Regel auch aus anderen Programmen kennen) muss ich mir bisher vermutlich unbekannte Syntax merken (wen die Details interessieren: hier eine Übersicht der wichtigsten R-Befehle).
  • Einprägsamkeit (memorability): Für viele Menschen ist es schwieriger, sich die Syntax einer Kommandozeile zu merken, als den Weg in der grafischen Oberfläche. In der grafischen Oberfläche kann ich mich anhand der sichtbaren Menüstruktur eher zum Ziel durchklicken. Diese Anhaltspunkte habe ich in der Kommandozeile nur begrenzt, ggf. hilft mir die Tab Vervollständigung an manchen Stellen weiter. Die Unterschiede verstärken sich, wenn man das System nur gelegentlich nutzt.
  • Effizienz (efficiency): Hier kann die Kommandozeile ihre Vorzüge voll ausspielen, denn wenn ich die Syntax kenne, bin ich mit der Texteingabe in jeden Fall schneller, als mit (Minimum) 5 Mausklicks.
  • Fehlertoleranz (error tolerance): Das kann man aus den Screenshots allein nur schwer rauslesen, hat in diesem Fall aber auch weniger mit der Art der Eingabe zu tun, sondern mehr mit den Sicherungen, die eingebaut sind, um z.B. ungewollte Riesenabfragen zu starten, die das komplette System lahmlegen. Ebenfalls nur mit einem Usability Test oder einer Befragung würde man rauskriegen, ob Anwender die Abfragen korrekt eingeben. Die Gefahr, die Abfrage falsch zu formulieren, besteht allerdings in beiden Systemen.
  • Nutzerzufriedenheit (user satisfaction): Anwender fühlen sich am sichersten und wohlsten, womit sie sich bereits auskennen. Haben die Anwender bisher ausschließlich mit grafischen Oberflächen gearbeitet, wird der Einstieg in die Kommandozeile in den meisten Fällen eine Einstiegshürde darstellen. Das Gleiche gilt aber auch für Anwender, die sich mit der Kommandozeile gut auskennen. Sie empfinden eine grafische Oberfläche oft umständlich und langsam und tun sich häufig leicht damit, einen Satz Befehle zu lernen.

Was man aus den Screenshots allein nicht rauslesen kann, ist die Frage, wie die Nutzer mit den Ergebnissen weiter arbeiten. Könnte ich in der grafischen Oberfläche z.B. meine komplette Analyse abbilden, müsste dagegen bei der Kommandozeile zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln, beeinträchtigt dies natürlich ggf. die Effizienz und damit auch die Zufriedenheit.

Diese kurze Analyse zeigt, dass es verschiedene Nutzertypen gibt, für die einzelne Aspekte der einen oder anderen Lösung besser oder schlechter geeignet sind. Die eingangs gestellte Frage würde ich also eher umformulieren in „FÜR WEN ist die Kommandozeile bzw. die grafische Oberfläche die benutzerfreundlichere Lösung?“. Hier meine Antwort:

Die Kommandozeile ist geeignet für…

  • Anwender, die diese Art der Abfrage häufig nutzen. Die Eingabe ist schneller, damit wird der höhere Einarbeitungsaufwand ausgeglichen. Durch die regelmäßige Nutzung fallen zudem die Nachteile der Einprägsamkeit weg.
  • Anwender, die sich eine Kommandozeilensyntax leicht einprägen können oder ungern mit grafischen Oberflächen arbeiten.

Die grafische Oberfläche ist geeignet für…

  • Anwender, die die Abfragen selten nutzen. Der Effizienzvorteil der Tastatureingabe ist für diese Zielgruppe geringer oder kann sogar ins Gegenteil umschlagen, da sie die Syntax zwischenzeitlich eher wieder verlernen und sich eventuell sogar komplett neu einarbeiten müssen.
  • Anwender, die sich schwer tun, eine Kommandozeilensyntax zu lernen oder sich in einer grafischen Oberfläche sicherer fühlen
  • Anwender, die weitere Arbeitsschritte in der grafischen Oberfläche erledigen und die Daten dort eventuell direkt weiterverarbeiten können.

Wer es richtig wissenschaftlich mag, kann sich diesen Artikel von Knauff und Nejasmic anschauen: An Efficiency Comparison of Document Preparation Systems Used in Academic Research and Development. Hier wird die Nutzung von Word vs. LaTex beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten untersucht.


Sony SLT A58 – eine echt spezielle Nutzererfahrung 13

Das ist jetzt ein bisserl off-topic aber doch auch wieder ein gutes Beispiel dafür, wie vielschichtig die Qualität und Nutzererfahrung eines Produkts ist. Bin vor einem halben Jahr von meiner Lumix FZ150 auf die digitale Spiegelreflexkamera Sony SLT A58 umgestiegen. Die A58 ist als Einsteigerkamera gedacht und was die Bedienung und Menüführung angeht, gibt es auch wirklich nix zu meckern ABER… wenn man etwas mehr aus der Kamera rausholen will, beginnt ein Höllenchaos, was Zubehör und Anschlüsse angeht. Nachdem ich selbst stundenlang recherchiert habe, möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen, vielleicht sparts euch ja den einen oder anderen Nerv:

  • Blitz für die A58
  • Fernauslöser für die A58
  • Entfesseltes Blitzen mit Softbox
  • Lightroom Tethering

sony a58 vorne

Blitz für die A58

Eine der größten Hürden im Umgang mit der A58 ist die Frage nach dem passenden Blitz, denn die A58 hat nicht mehr den alten Sony/Minolta Blitzschuh, sondern den neuen ISO-kompatiblen Multi-Interface-Schuh:

sony a58 multi interface shoe

Beim Blitz-Kauf heißt es deswegen aufpassen, denn Blitze, die aktuell als passend für Sony-Kameras beschrieben sind, passen zwar meistens auf den alten Sony/Minolta Schuh, nicht aber auf die A58. Einfacher wird es, wenn die passenden Modelle explizit genannt werden. Die A58 wird hier zwar nie aufgeführt, ein Blitz, der aber z.B. auf die A37 passt, passt definitiv NICHT direkt auf die A58. In dieser Anfangsverwirrung hab ich mir den Metz 52 AF-1 Blitz in der Sony-Variante gekauft:

metz blitz 52 af1

Super Blitz, passt nur leider nicht direkt auf die A58. Hier der Anschluss des Metz:

metz 52 af1 anschluss unten

Man kann diesen Blitz trotzdem nutzen, braucht dazu allerdings den Adapter ADP-MAA von Sony (schlägt mit 30 EUR zu Buche) – der wird uns nachher übrigens noch ganz schön ärgern…:

sony blitz adapter adp maa

Der Anschluss des Adapters unten sieht so aus:

sony adapter adp maa anschluss unten

Blitz zusammen mit Adapter sieht so aus und funktioniert direkt auf der Kamera wunderbar:

metz 52 af 1 mit sony adapter adp maa

Achtung! Mittlerweile gibt es einen weiteren Blitzschuhadapter von Sony mit der zusätzlichen runden Steckerbuchse für externe Blitze (keine Ahnung, wie das genau heißt, dazu schweigt sich die Sony Webseite leider aus – auch ein ganz gewaltiges Manko: echt armselige Webseite und Dokumentation). Und ja: man kann natürlich auch den original Sony-Blitz für 650,- EUR kaufen, der passt auf jeden Fall…

Fernauslöser für die A58

OK, Blitzhürde erst mal genommen. Nächste Anforderung: Fernauslöser für die A58. Wollte ein paar Fotos von mir für den Blog schießen ohne jedes Mal zur Kamera rennen zu müssen. Dachte immer, das sei Standardzubehör für Kameras, nicht so für die A58.

Dummerweise hat die A58 keinen Infrarotsensor mehr, so dass ein klassischer Fernauslöser hier nicht funktioniert. Der Sony-Support empfahl mir das hier: Kabelauslöser für 70,- EUR und sensationell umwerfenden 88cm Kabel oder die Möglichkeit per PC und Remote Camera Control auszulösen. Für meinen Anwendungsfall heißt das, dass ich entweder nur meine dicke Nase in den Blog stellen kann oder auf jedem Bild mein Laptop zu sehen ist. Arghhh…

Zum Glück gibt es seit einigen Wochen die RCCDroid App vom RCCDroid-Team um Bernhard Glensk, die Android-Nutzer zumindest aus der Entfernungsmisere befreit und handlicher ist, als ein Laptop. Zusammen mit zwei Kabeln und dem Smartphone, kann ich mich jetzt zumindest schon 5m von der Kamera wegbewegen – mit dem Kabelgedöns zwar immer noch keine clevere Lösung für Selfies aber immerhin schon mal etwas besser:

sony a58 fernauslöser mit rccdroid pro app2

Für den Anschluss des Smartphones an die Kamera braucht ihr folgende Kabel:

sony a58 fernausloeser kabel

An der Kamera drückt ihr den „Menü“ Knopf. Im Reiter „Einstellungen“ (der mit dem Schraubenschlüssel) geht ihr auf Seite 2 und stellt „USB connection“ auf „PC remote“. Sobald die Kamera angesteckt und eingeschalten ist, könnt ihr über die RCCDroid App die Kamera einstellen und auslösen. Die Bilder werden direkt auf dem Smartphone angezeigt und auch dort gespeichert.

sony a58 fernauslöser mit rccdroid pro app

Kosten: 7,50 EUR für das lange Kabel, 6,- EUR für den Adapter, die Basisversion der App ist kostenlos. Nix 70,- EUR für 88cm…

sony a58 fernausloeser mit rccdroid pro app

Entfesseltes Blitzen mit Softbox

Beflügelt vom Erfolgserlebnis des günstigen Fernauslösers wollte ich das gesparte Geld gleich weiter investieren in eine Softbox und einen Funkauslöser, um für Portraits ein weicheres Licht zu bekommen. Die Softbox hatte ich beim Workshop neulich ausprobiert, super handlich und hochwertig: die SMDV Strobist Speedbox Softbox 60cm . Das Stativ war noch übrig von einem Satz Studioleuchten…

16 SMDV Strobist Speedbox Softbox 60cm

Schwieriger wurde es wieder mal mit dem Blitz. Der Metz mit Adapter passt zwar problemlos in die Halterung der Softbox, fernauslösen funktioniert allerdings nur, wenn auch der interne Blitz der A58 geöffnet ist:

Slave Blitz auslösen über den eingebauten Blitz der A58

  • An der Kamera im P, A, S oder M Modus die „FN“ Taste drücken, „Flash Mode“ auswählen, dann „WL“ für „wireless“ auswählen
  • Eingebauten Blitz der A58 öffnen
  • Am Metz Blitz den Modus „Slave“ wählen.

Geht einfach, hat aber den Nachteil, dass man das Motiv zusätzlich zur Softbox immer auch mit dem eingebauten Blitz anblitzt. Einige Beleuchtungsszenarien, wie z.B. reines Seitenlicht, lassen sich so nicht realisieren.

Slave Blitz auslösen über Funkauslöser
Hier kann der Blitz unabhängig vom eingebauten Blitz der A58 ausgelöst werden. Allerdings braucht man dazu noch eine Funkauslöser. Yeah! Wieder ein Teil, das in Kombination von Sony und dem Multi-Interface-Schuh schwer zu bändigen ist. Nachdem selbst der Fachhändler unschlüssig war, was hier funktioniert, hab ich mal wieder ordentlich viel gelesen:

  • Yongnuo RF-602 funktionieren wohl zwar auf Sony Kameras (siehe Forum hier…), hier sind Sender und Empfänger aber unterschiedliche Geräte. Beim RF-603 kann dagegen jede Komponente Sender oder Empfänger sein.
  • Yongnuo RF-603 funktioniert auf Sony scheinbar nur, wenn man einen Widerstand einlötet (Anleitung hier im Forum) – bevor ich allerdings an was rumlöte, müsste ich mir erst ordentlich einen reinlöten. Definitiv keine Lösung …
  • Am Ende gekauft: Yongnuo RF-603II: die Nikon-Version N1, Canon-Version sollte aber auch funktionieren. Passt ohne Adapter auf die A58, aber…

Yongnuo Blitzausloeser RF 603NII

funktioniert leider nicht mit dem Metz 52 AF-1 in Kombination mit dem Sony Adapter ADP-MAA – Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh…. Im Keller zum Glück noch einen uralten Blitz von der analogen Spiegelreflex gefunden und siehe da, so funktioniert es!

Yongnuo Blitzausloeser mit altem Blitz

Haken an der Sache: der alte Blitz hat genau 0 Einstellmöglichkeiten, d.h. ich muss alles über die Kamera regeln. Mal schauen, wie weit ich damit komme. Falls es jemand hilft: so sieht der Anschluss des alten Blitzes aus, ein einfacher Mittenkontakt:

Anschluss am alten Blitz

Lightroom Tethering

Ja klar, nach all diesen Hardware-Torturen musste es zur Abwechslung dann doch auch mal ein Software-Problem sein: die A58 mit Lightroom tethern (also Fotos direkt nach der Aufnahme auf dem Laptop anzeigen). Eigentlich geht man dazu in Lightroom einfach ins Menü Datei -> Tether-Aufnahme -> Tether-Aufnahme starten. Nicht so mit der A58. Hier muss man zunächst die Software „Remote Camera Control“ von Sony installieren:

Screenshot Sony Remote Camera Control

Die Software kommt in gewohnt armseliger Sony-Gestalt und Funktionalität daher – hab ich aber nicht anderes erwartet, bin ja leidgeprüfter Sony-Kunde mit Laptop und Smartphone und egal, was die an Software liefern, es ist einfach immer übel. Egal…

Um die Fotos jetzt direkt in Lightroom anzuzeigen, geht ihr so vor:

  • Verbindet die Kamera über USB-Kabel mit dem PC/Laptop.
  • An der Kamera unter Einstellungen „PC remote“ auswählen (wie beim Fernauslöser)
  • Gebt im Remote Camera Tool unter „Speichern unter“ einen Ordner an, in den die Fotos direkt von der Kamera importiert werden sollen.
  • In Lightroom öffnet ihr das Menü Datei -> Automatisch importieren -> Einstellungen für automatischen Import.
  • Hier wählt ihr bei „Überwachter Ordner“ den Import-Ordner aus dem Remote Camera Tool aus und kopiert die Bilder an eine beliebige Stelle weiter.

Wenn ihr jetzt ein Foto macht, öffnet es sich direkt in Lightroom. Warum einfach, wenns auch umständlich geht…

Sonstiges Zubehör

Folgendes Zubehör habe ich mir darüber hinaus noch gekauft und bin zufrieden damit:

Objektive

  • Kit-Objektiv 18-55mm
  • Tele: Tamron SP 70-300mm
  • Makro: Sigma 105mm, 1:2,8 DG Makro HSM
  • Weitwinkel: Sigma 10-20mm 1:3,5
  • Sony SAL50F18 1,8 / 50mm SAM

Objektive für Sony a58

Dann noch ein Lastolite Aufheller/Reflektoren Set, einhändig mit 8 verschiedenen Oberflächen:

lastolite einhändiger Aufheller und Reflektor

Und zu guter Letzt noch was, um den ganzen Schlunz zu schleppen: der Lowepro Flipside 400 Fotorucksack. Klasse an dem Rucksack ist, dass man ihn über den Hüftgurt nach vorne drehen kann und man unterwegs so eine Arbeitsfläche zum Wechseln der Objektive hat.

lowepro fotorucksack

Mein Fazit

  • Wenn nochmal jemand die A58 eine Einsteigerkamera nennt, dann tret ich ihn.
  • Sony, wenn ihr eine Einsteigerkamera baut, dann sollte das GESAMTE Handling der Kamera auch für Einsteiger geeignet sein.
  • Wer es gerne exotisch und weltoffen mag, für den ist die A58 bestens geeignet. Ich lese Foren mittlerweile in 4 Sprachen.
  • Die A58 ist eine klasse Kamera aber die Zubehör-, Feature- und Informations-Politik von Sony schränkt den Spaß am Produkt doch schwer ein. Bin halbwegs guter Dinge, dass sich das nach dem Zusammentragen des Equipments legt. Erste Fotos mit der A58 findet ihr hier: https://www.flickr.com/photos/87942234@N00/

Präsentation Entwicklertag Karlsruhe 2014

So, hier gibts jetzt auch noch meine Präsentation vom Entwicklertag zum Download:

Download Präsentation Karlsruher Entwicklertag 2014:
Jetzt helfe ich mir selbst: Usability Tests schnell und günstig

Inga Klas Entwicklertag Karlsruhe 2014

Hier nochmal die Kernpunkte der Präsentation:

Wie schafft man es in schnell getakteten, agilen Entwicklungsprojekten Usability Tests durchführen, wenn weder das Budget für eine Agenturbeauftragung da ist, noch ein Usability-Experte an Bord? Die Antwort: Entwickler, Projektleiter oder Product Owner führen den Test selbst durch. Alle notwendigen Grundlagen sind in der Präsentation zusammengefasst:

  • Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, um einen Usability Test selbst durchzuführen?
  • Welche Fragestellungen kann ich mit einem Usability Test beantworten?
  • Was kann ich testen (Papierprototypen, HTML-Prototypen, Zwischenstände der Entwicklung,…)?
  • Wen hole ich ins Boot, um einen Test durchzuführen?
  • Wie stelle ich einen Leitfaden für einen Usability Test zusammen, worauf muss ich beim Formulieren der Fragen achten?
  • Wo bekomme ich Testpersonen her und wie viele Testpersonen brauche ich?
  • Was muss man sonst noch vorbereiten (Incentives, Datenschutzerklärung, Screenshots, Testdurchlauf…)?
  • Wie zeichne ich einen Usability Test auf?
  • Wie bereite ich den Testraum vor?
  • Was muss ich im Umgang mit Testpersonen beachten?
  • Wie moderiere ich einen Usability Test?
  • Wie werte ich einen Usability Test aus?

Für den ersten Usability Test sollte man mit einem Aufwand von 4-5 Tagen rechnen, um alle notwendigen Dokumente vorzubereiten. Bei weitere Tests kommt man dann ungefähr mit der Hälfte der Zeit aus.


Usability Tests schnell und günstig – Mein Vortrag beim Karlsruher Entwicklertag 2014

Wann: 22.5.2014
Wo: Beim Karlsruher Entwicklertag

Um was geht es?
Beschreibung auf der Homepage des Entwicklertags
Wie kann man bei knapper Zeit und/oder knappem Budget einen Usability Test mit einfachen Mitteln durchführen? Der Vortrag gibt einen Crashkurs zu den Themen:

  • Was ist ein Usability Test?
  • Was kann ich mit einem Usability Test rausfinden?
  • Wie bereite ich einen Usability Test vor?
  • Wie rekrutiere ich Testpersonen?
  • Wie moderiere ich einen Usability Test?
  • Wie werte ich einen Usability Test aus?
  • Worauf muss ich im Umgang mit Testpersonen achten?

Ziel ist es, Entwicklern, Projektleitern, Produktmanagern und anderen Projektbeteiligten das Grundwissen an die Hand zu geben, um einen Usability Test selber durchführen zu können.


Usability on the Road

Da steh ich vor dem Aufzug und der Aufzug kommt nicht. Warum bloß, ich hab doch auf den Knopf mit dem Pfeil nach oben gedrückt?!?

Schlechte Usability Aufzug

Leider ist hier, was wie ein Knopf zum Drücken aussieht und einen unübersehbaren Pfeil nach oben hat, kein Knopf, sondern lediglich eine Anzeige, in welche Richtung der Aufzug unterwegs ist. Richtig gewesen wäre der „Kommt“ Kopf unterhalb der Pfeile – is klar… Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass das mit dem Pfeil schon mehr Leute, auch mit Nachdruck, versucht haben:

Schlechte Usability Aufzug

Ein Usabilitytest hätte dieses Problem vermutlich schon bei der 1. Testperson ans Licht gebracht.

Am selben Tag hab ich dann noch das hier in der S-Bahn gesehen:

Gute Usability: Straßenbahn

Zuerst musste ich wegen des Wortkonstrukts „Sprechstelle“ schmunzeln, dann, weil das Schild ja eigentlich unter einem Knopf hängt und somit eher „Druckstelle“ heißen müsste. Danach sind mir die Leuchten für Warten, Sprechen und Hören aufgefallen, und ich hab mir kurz überlegt, wie ruhig es zu Hause wäre, wenn es an jedem Platz unseres Esstischs so eine Anzeige gäbe… 😉 Im Nachhinein frage ich mich allerdings, wozu diese Sprechstelle eigentlich da ist. Ist das eine Notruf-Anlage oder vielleicht doch eher eine interne Kommunikationsanlage? Hier würde ein kleiner Hinweis nicht schaden – Platz genug für weitere Schilder ist ja noch auf der Metallplatte…

Die absolut positive Ober-Usability-Verbesserung des Tages war aber die Auskunftstafel der Deutschen Bahn AM GLEIS!!! *Tusch* und *Applaus* für diese Verbesserung – endlich muss man nicht mehr bis in die Halle vorrennen, um nachzuschauen, mit welchem Zug man statt des eben Verpassten fahren kann!

Gute Usability: Bahnhof

Jetzt fehlt nur noch die elektronische Wagenstandsanzeige entlang des Bahnsteigs, die auch dann noch funktioniert, wenn die Wagenreihung mal wieder umgekehrt wurde… 😉


Apps für UX testing von Smartphones und Tablets

Frisch aufgetankt mit Inspirationen von der Mobile HCI Konferenz in München wollte ich mich die letzten Tage dran machen, ein Testsetup für Usability Tests von mobilen Geräten zusammen zu stellen. Irgendwie hatte ich gehofft, dass es mittlerweile etwas Professionelleres gäbe, als Webcams, die mit Klebeband an selbst gebaute Gestängekonstruktionen geklebt werden und den Teilnehmer zwingen eine Stunde regungslos sitzen zu bleiben.

Ein Smartphone oder ein Tablet bringt an sich ja alles mit, was man zum Aufzeichnen eines Usertests braucht. Es sollte also doch möglich sein eine App zu bauen, die den Usertest aufzeichnet mit dem Video des Teilnehmers, dem Ton und der Aufzeichnung des Bildschirms. Leider steht dieser Idee im Weg, dass Apps aus Sicherheitsgründen untereinander nur eingeschränkte Zugriffsrechte haben, was hauptsächlich der Aufzeichnung des Bildschirms im Weg steht. Hier ein vergleich der momentan verfügbaren Apps zum Aufzeichnen von Usability Tests:

iOS Apps

Aufgrund der Zugriffsbeschränkungen für Apps unter iOS gibt es keine universelle Lösung um UX Tests für Websites UND Apps aufzuzeichnen.

UX Recorder

http://www.actualinsights.com/go/ux-recorder/

Preis: Einzel-Session 1,79 EUR, 5er Pack 6,99 EUR, unlimitiert 54,99 EUR

iPad App mit der ihr nur Webseiten testen könnt, keine Apps. Kann als Testversion installiert werden, mit der Einschränkung, dass man nur 30 Sekunden Sessions aufzeichnen kann. In meinem Test traten deutliche Performance-Probleme auf, Reaktionen auf Klicks und Zooming waren zum Teil stark verzögert, die App stürzte auch mehrfach ab.

Das ist der Einstiegsscreen, auf dem man die Tests anlegen und verwalten kann. Einstellen lässt sich die Bild-in-Bild Position, die Videoqualität, Aktivieren/Deaktivieren der Soundaufnahme, Aktivieren/Deaktivieren der Screen Gesture Anzeige im Ergebnisvideo:

Screenshot UX Recorder

Das ist der Recording Screen. Während der Aufzeichnung wird das Bild-in-Bild ausgeblendet. Ansonsten gibt es nur noch oben die Adresszeile:

Screenshot UX Recorder

Fertige Sessions erscheinen in der Übersicht:

Screenshot UX Recorder

Im Ergebnisvideo werden Gesten mit pinkfarbenen Markern angezeigt. Wie ihr hier sehen könnt, ist die Nutzung der internen Kamera für die Aufzeichnung des Teilnehmervideos nicht optimal, da man den Teilnehmer bei normaler Sitzposition nicht unbedingt im Bild hat und man oft mehr Hände als Gesicht aufzeichnet. Tonaufzeichnung über das eingebaute Mikro funktioniert dagegen sehr gut.

Screenshot UX Recorder

Fazit: Die Bedienung des Tools ist sehr einfach und es lässt sich ohne großen finanziellen Einsatz testen. Durch die Beschränkung auf Website Tests ist die App jedoch nicht universell einsetzbar. Weiteres Manko ist die Stabilität und die Performance der App. Für mich als Nicht-iTunes-Nutzer stellt sich als zusätzliche Herausforderung: wie bekomme ich die Videodateien vom Gerät runter? Export ist möglich nach iTunes, in die Dropbox und in die Camera Roll. Die Dropbox App unterstützt aber nur Uploads die maximal 200 MB groß sind. Das 30 Sekunden Video ist allerdings schon 16 MB groß…

Magitest

http://magitest.com/
https://itunes.apple.com/us/app/magitest/id580459701?ls=1&mt=8

Preis: Magitest App für Browser-Tests 44,99 EUR, Magistest Native SDK zum Testen von Apps 44,99 EUR.

Mit der Magitest App kann man Websites und Apps testen. Zum Testen von nativen Apps muss man allerdings den Quellcode der Magitest App in den Quellcode der App integrieren. Dafür steht das Magitest Native SDK zur Verfügung. Letzteres habe ich nicht ausprobiert.

Einstiegsscreen mit den Einstellungen für die Testsitzung:

Magitest Screenshot

Ansicht während der Aufzeichnung:

Magitest Screenshot

Nach Abschluss der Sitzung wird das Video direkt gerendert:

Magitest Screenshot

Auch hier werden die Gesten im Ergebnisvideo mit pinkfarbenen Markern hervorgehoben:

Magitest Screenshot

Fazit: Auch diese App ist einfach zu bedienen. Sie läuft zwar stabil, zeigt aber wie auch der UX Recorder deutliche Performance Probleme, was zu einer starken Verzögerung beim Laden der Inhalte führt. Weitere Nachteile: es gibt kein gestaffeltes Preismodell.

Das Testen von nativen Apps über die Integration von Magitest Quellcode ist in der Praxis nur bedingt tauglich. Testet man projektintern, mag dieser Anpassungsaufwand noch zu leisten sein. Kunden, die nur einen Test einer nativen App wünschen, ist dieser Aufwand und Eingriff in den Quellcode nur schwer zu vermitteln. Die Ergebnisvideos werden in der Camera Roll abgelegt, so dass auch hier das Problem des Exportieren der Videos besteht.

delight.io

http://www.delight.io/

Preis: monatlich 3 Stunden Aufzeichnung 50$, 10 Stunden 150$, 30 Stunden 300$

delight.io ist ebenfalls eine Lösung, bei der native Apps getestet werden, indem Aufzeichnungs-Quellcode in den App Quellcode integriert wird. Die Aufzeichnungen werden hier allerdings nicht auf dem Mobilgerät gespeichert, sondern auf dem delight.io Server.

Die Oberfläche sieht ganz ansprechend aus:

Es gibt einen Testaccount, mit dem man 1 Stunde im Monat kostenlos testen kann. Etwas suspekt ist mir der Anbieter. Auf der Website finden sich keine Firmeninformationen, so dass ich die Speicherung sensibler Testdaten hier nicht empfehlen würde. Darüber hinaus finde ich es schlichtweg zu teuer, vor allem bei dauerhafter Nutzung.

Jailbreak Lösung

Die Übertragung des Bildschirms des iOS Geräts wird möglich durch „jailbreaken“ des Geräts. Ein komplettes Testsetup beschreibt capstrat.com auf: https://www.capstrat.com/posts/recording-usability-tests-iphone/. Hier sollte man sich aber bewusst sein, dass man sowohl Garantieansprüche für das Gerät verlieren kann, als auch Gefahr läuft, das Gerät zu beschädigen. Es sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Android

Es gibt keine App für das Aufzeichnen von Usability Tests auf Android Geräten. Für „gerootete“ Android Geräte gibt es zumindest Programme zum Aufzeichnen des Bildschirms, allerdings ohne Bild-in-Bild-Aufzeichnung der Testperson und ohne Sound.

Windows Mobile

Auch hier keine App, nicht mal ein Tool zur Bildschirmaufzeichnung…

Fazit

Das Ergebnis meiner Recherche ist ernüchternd. Leider gibt es keine App, die so ordentlich funktioniert, dass man sie bedenkenlos zum Testen einsetzen kann.

Dann werd ich mich morgen wohl doch mal dran machen, eine Webcam an eine Stange zu kleben… Als Einstimmung hier schon mal ein Interview mit Steve Krug vom 9.8.2013, der seinen Lösungsansatz beschreibt: http://www.peachpit.com/articles/article.aspx?p=2126861.


Gut sichtbare AGB Checkbox

Hey, mal wieder ein Blogpost. Hatte die letzte Zeit nur auf meiner Facebookseite gepostet, weil es so bequem ist. Nachdem die Pagefeeds aber zunehmend untergehen, werde ich mich wieder häufiger im Blog äußern (hier ist ein Artikel zum Thema Facebook Page Algorithmen).

Bin heute auf ein nettes Detail gestoßen: am Ende des Bestellprozesses von buttinette.de bekommt man einen Tipp eingeblendet, wenn man mit der Maus über den „Kaufen“ Button fährt und die AGB noch nicht angeklickt hat. Prima Methode zur Fehlervermeidung beim Abschicken des Formulars:

AGB nicht angeklickt Tipp

Krasses Gegenteil hierzu: die Bahn Ticketbestellung. Hier muss man zunächst die Nutzungshinweise zum Kauf eines Onlinetickets bestätigen und auf einer späteren Seite die AGB. Beide Checkboxen gehen aber derart auf der Seite unter, dass ich, obwohl ich die Seiten regelmäßig nutze, oft vergesse einen der Haken zu setzen:

Bahn Buchung AGB 1

Bahn Buchung AGB 2

Woran liegt es? Die Elemente mit den verpflichtenden Angaben sind genauso gestaltet, wie der Rest des Inhalts. Es gibt keine optische Hervorhebung, anhand der Benutzer erkennen kann, dass für diese Elemente eine Eingabe erforderlich ist. Im ersten Beispiel kommt hinzu, dass die Checkbox mitten in der Seite platziert ist, und nicht am Ende. Die meisten Benutzer schauen sich in der Regel aber nur den Anfang und das Ende einer Seite genauer an, der Rest wird überflogen. Dazu ist es eher ungewöhnlich, dass man in der Mitte eines Bestellprozesses überhaupt eine verpflichtende Angabe machen muss.

Besser würde es durch:

  • Hintergrundfärbung der Elemente entfernen, die nur Daten anzeigen (Adressdaten, Reisedaten,…)
  • Verpflichtende Elemente am Ende der Seite platzieren, bevorzugt in der Nähe des „Abschicken“ Buttons wie im Buttinette Beispiel
  • Angaben, die der Kunde aktiv bestätigen muss, am Ende des Bestellprozesses bündeln.

Usabilitytest und neues Redesign: Barcelona.de

Ein neues Redesign ist in Arbeit: das Reiseportal barcelona.de. Da wir schon ein paar Änderungen online haben, hier der Originalzustand der Seite:

Alte Startseite Barcelona.de

Welche Punkte nehmen wir beim Redesign in Angriff?

Design

Das Design der Seite ist schon ein paar Jährchen alt, deswegen werden wir es Schritt-für-Schritt modernisieren. Erster Schritt auf diesem Weg: das Redesign des Headers und erste Anpassungen in der Farbgebung. Hier zum Vergleich der alte und der neue Header:

Vergleich alter Header zu neuem Header

Folgende Änderungen haben wir bereits vorgenommen:

  • Headergrafik: Bisher war die Headergrafik recht dunkel und kleinteilig, einige der Bilder konnte nicht jedermann sofort als charakteristisch für Barcelona erkennen. Für die neue Grafik habe ich die Anzahl der Fotos auf 4 reduziert. Das zentrale Element, die Sagrada Familia, wird umrahmt von einer geschwungenen Linie, die zum einen eine Anlehnung an die Formsprache des Jugendstils ist und gleichzeitig das Meer symbolisiert. Der Verlauf der geschwungenen Linie führt die Blickrichtung auf das Suchelement und die Buchungsmenüpunkte. Das Logo überlappt jetzt nicht mehr mit der Hintergrundgrafik.
  • Farben: Den Blauton habe ich von einem eher gelblichen Blau in ein rötliches Blau geändert. Dieser Farbton symbolisiert mehr die Elemente, die man sich von einem Urlaub im Süden erwartet: Meer und blauer Himmel.
  • Hintergrundfarbe Navigation: Damit der Header ein geschlossenes Element bildet, hat die Utilitiesnavigation jetzt dieselbe Farbe, wie die Hauptnavigation. Der Hintergrund der Navigation zweiter Ebene ist jetzt weiß, was den Vorteil hat, dass auf der Startseite, wo bisher ein leerer grauer Balken zu sehen war, kein „leeres“ Element mehr erscheint und das Design insgesamt leichter wird.
  • Schriftfarbe: Die Schriftfarben habe ich auf weiß und blau reduziert.
  • Trennlinien: Die vertikalen Trennlinien zwischen den Hauptmenüpunkten habe ich entfernt
  • Icons: Die Icons der Utilities Navigation habe ich ebenfalls entfernt.

Noch offen ist die Frage der Menüpunkte oberhalb der Headergrafik. Meine Vermutung wäre, dass nur wenige Besucher diese Links verwenden. Das wollen wir aber noch mit einem Tracking verifizieren.

Usability

Ein erster Usabilitytest mit 5 Personen hat gezeigt, dass die Seiten und Elemente, die von barcelona.de bereitgestellt werden, weitest gehend gut zu bedienen sind. Bedien- und Qualitätsprobleme treten allerdings in den Elementen auf, die von externen Partnern bereit gestellt werden, wie z.B. die Hotel- und die Flugbuchung. Da dies zentrale Elemente der Webseite sind, versuchen wir momentan über Kontakt zu den Anbietern eine Verbesserung in diesem Bereich herbeizuführen.

Nächste Schritte

Als nächstes wollen wir die Struktur der Inhalte angehen. Aktuell gibt es sehr viele Einstiegspunkte in die Inhalte und wenig Gewichtung, was die Seite zum Teil etwas unübersichtlich macht. Ziel ist es, dass der Besucher auf den ersten Blick die wichtigen Informationen und Services im Überblick hat und sich das gesamte Angebot nach und nach erschließen kann.


Captcha Usability

Jetzt kommen wieder die ollen Web-Kamellen, denkt ihr sicher. Captchas gibt es schon ewig. Jepp, und genau so ewig funktionieren sie schon nicht vernünftig, wie ich die letzten Tage wieder leidvoll erfahren musste – oder kann von euch jemand den ersten Teil dieses Captchas lesen:

Schlechte Captcha Usability

Dieses Captcha wurde mit dem Dienst reCaptcha von Google erstellt, den man recht häufig im Web findet und der mehr schlecht als recht zu bedienen ist. Also lohnt es sich vielleicht doch, ein paar Worte über das Thema zu verlieren…

Captchas („Completely Automated Public Turing test to Tell Computers and Humans Apart“) werden im Web schon seit vielen Jahren verwendet, um automatisierte Spamattacken zu vermeiden. Eingesetzt werden sie vor allem in Anmelde- und Kontaktformularen oder Kommentarfunktionen von Blogs, Gästebüchern und Foren. Genau an diesen Stellen möchte man als Websitebetreiber eine möglichst geringe Abbruchquote haben. Captchas bringen allerdings eine Menge Nutzungsprobleme mit sich, die zu einer höheren Abbruchquote führen:

  1. Captcha? Kenn ich nicht: Vor allem weniger erfahrene Webnutzer wissen nicht, wozu Captchas gut sind. Erläuterungen sind oft wenig hilfreich oder gar nicht vorhanden. Ergebnis: Nutzer brechen den Vorgang ab.
  2. Schlecht lesbar: Selbst ich als (fast) Normalsichtiger habe immer wieder Probleme Captchas zu entschlüsseln.
  3. Accessibility-Probleme: Die ersten Implementierungen von Captchas waren rein bildbasiert, d.h. der Besucher musste eine Zeichenfolge eingeben, die nur in einem Bild angezeigt wurde. Damit wurden die meisten Besucher mit einer eingeschränkten Sehkraft ausgeschlossen.
  4. Komplexe Bedienung: Um die Accessibility-Probleme zu beheben, wurden bildbasierte Captchas durch Zusatzfunktionen erweitert: Widergabe als Audiodatei, Download der Audiodatei, erneutes Laden des Bild-Captchas. Die neuen Funktionen machten die Bedienung allerdings für alle Benutzer komplexer.

Beispiele für akzeptable Captcha Usability

Wenn schon Captchas, dann bitte so, dass sie den Benutzer möglichst wenig behindern.

  • ebay: Zeichenkette ist relativ gut zu entziffern, kurze Erläuterung der Funktion mit weiterführenden Hinweisen, „Captcha“ wird als Begriff vermieden, sekundäre Interaktionselemente sind auf Hyperlinks reduziert, was die gesamte Komplexität reduziert:
    Beispiel gute Captcha Usability ebay
  • Project Honeypot: Aus Benutzersicht ist das hier eine gut zu bedienendes Captcha, weil man die Zeichenkette gut lesen kann. Kenne mich mit den technischen Hintergründen zu wenig aus, würde aber vermuten, dass diese Lösung genau deswegen am einfachsten zu knacken ist. Was hier natürlich fehlt, sind Alternativen zur Bildausgabe.
    Gut lesbares Captcha von Project Honeypot

Einige neue Lösungen ersetzen die Zeicheneingabe durch andere visuelle Interaktionen, wie Drag’n’Drop oder Videoerkennung. Diese schränken aber wie frühe Captcha-Versionen den Benutzerkreis erheblich ein (für ein Beispiel siehe: Beispielseite wCaptcha). Lösungen, die mit Frage-Antwort Kombinationen oder Rechenaufgaben arbeiten, scheinen mir für die breite Masse ebenfalls nicht geeignet.

Alternativen zu Captchas

Captchas müssen nicht mehr sein, zumal dieser Sicherungsmechanismus immer häufiger ausgehebelt wird. Welche Alternativen gibt es?

  • Spamschutz-Lösungen für Blogs: Für WordPress gibt es verschiedene Plugins, um Kommentare auf Spam zu überprüfen. Das altgediente Aksimet Plugin ist zwar sehr wirkungsvoll, scheint aber mit den europäischen Datenschutzrichtlinien nicht vereinbar zu sein (abschließend ist das noch nicht geklärt). Als Alternative gibt es das datenschutz-konforme Plugin Antispam Bee von Sergej Müller.
  • Universell einsetzbare Spamschutz-Lösungen: Diesen Punkt werde ich an meinen technischen Berater zur weiteren Recherche übergeben. 😉 Prinzipiell kann man anhand verschiedener Kriterien darauf schließen, ob ein Mensch oder eine Maschine ein Formular abschickt, z.B. Dauer, die zwischen Öffnen der Seite und dem Abschicken eines Formulars vergeht, wie häufig ein Formular von derselben IP-Adresse verschickt wird, Browser-Interaktion einbauen, versteckte Eingabefelder, u.v.m. Wie wirksam diese Methoden sind, soll sich Christian mal anschauen.

Fazit
Wer Captchas einsetzt, muss sich im Klaren darüber sein, dass er nicht nur Spammer ausschließt, sondern auch echte Interessenten. Für Blogs gibt es die oben genannten Alternativen zur Vermeidung von Spam. Was Kontakt- und Anmeldeformulare angeht, würde ich in der Praxis zunächst das tatsächliche Spam-Aufkommen beobachten. Solange ich auf 10 echte Anfragen 1 Spamnachricht bekomme, kann ich diese noch manuell aussortieren. Wird es mehr Spam, muss eine automatisierte Lösung her. Sobald ich Neuigkeiten zum Thema habe, melde ich mich. Wenn ihr Ideen oder Anregungen habt, immer her damit – per Kommentarfeld ohne Captcha versteht sich. 😉


Tools zur Aufzeichnung und Auswertung von Usabilitytests

Dachte, es ist wieder mal an der Zeit, den Markt nach einer Usabilitytest-Software zu durchstöbern. Ich arbeite seit vielen Jahren mit Techsmith Morae und bin zwar ein treuer aber doch irgendwie enttäuschter Kunde. Die Software entwickelt sich nicht weiter, das was es an neuen Funktionen gibt, kann man nicht gebrauchen und die Benutzbarkeit ist in vielen Bereichen ein Graus! Hier dennoch die Basisdaten:

Morae von Techsmith
http://www.techsmith.com/morae.asp
Preis: $1.495
Betriebssystem: Windows

Was prima funktioniert, sind die Basisfunktionen: Video aufzeichnen, kommentieren, Highlight-Video erstellen. Die Analysefunktionen des Programms sind wenig hilfreich.

Bei der Suche nach einer alternativen Software waren meine Minimalanforderungen: Bild-in-Bild Aufzeichnung (d.h. dass das Video der Testperson über die Aufzeichnung des Bildschirms gelegt werden kann), eine Möglichkeit, innerhalb der Videodatei Marker zu setzen, um interessante Sequenzen zu markieren und eine möglichst einfache und schnelle Funktion, um Highlight-Videos zusammenzustellen.

Echte Konkurrenz

Ovo Solo von Ovo Studios
http://www.ovostudios.com/ovosolo.asp
Preis: $499 (50% Rabatt für Morae Nutzer)

Auf den ersten Blick sieht das Programm nach einer sehr vielversprechenden Alternative zu Morae aus. Es gibt sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, die Morae nicht besitzt (Profildaten von Testpersonen hinterlegen, Testablauf festlegen, Umfragen integrieren, wesentlich mehr Analyse-Möglichkeiten). Leider habe ich das Programm auch nach längerem Ausprobieren und Neu-Installieren nicht stabil zum Laufen bekommen. Der Kundenservice war zwar sehr hilfsbereit und konnte mir helfen, einige Probleme zu beseitigen, ein vollständiges Projekt konnte ich allerdings nicht durchtesten. Ich werde das Produkt auf jeden Fall im Auge behalten, da die Ansätze sehr vielversprechend aussehen.

Experience Capture Studio von Usability Lab Rental
Preis: ???
http://www.usabilitylabrental.com

Die Beschreibung auf der Website hört sich vielversprechend an. Allerdings konnte ich auch nach mehreren Kontaktversuchen niemanden bezüglich eines Produktdemos oder einer Testversion erreichen. Hmmm…

Nicht in Frage kommen

Die folgenden Tools kommen aufgrund meiner Anforderungen nicht in Frage, könnten aber für den einen oder anderen eine interessante, vor allem kostengünstige, Alternative sein.

Camtasia von Techsmith
http://www.techsmith.com/camtasia/
Preis: $300
Betriebssystem: Windows

Ist ein Tool, mit dem man Trainingsvideos u.ä. erstellen kann. D.h. es gibt die Möglichkeit, den Inhalt des Bildschirms aufzuzeichnen und per Bild-in-Bild-Einblendung den Moderator zu zeigen. Was es im Vergleich zu Morae nicht kann, ist das Markieren und Kommentieren von Videosequenzen. Als Alternative wird im Netz beschrieben, dass man sich die Zeiten, an denen während des Tests etwas Interessantes passiert, per Hand notieren soll. Das halte ich aber für keine wirklich gangbare Lösung.

Usability Studio 2.3 von Usability Studio
Preis: $69,99
http://www.usability-studio.com
Betriebssystem: Windows

Dieses Programm scheint sich noch im Beta-Stadium zu befinden. Videos kann ich problemlos mit Bild-in-Bild-Einblendung aufzeichnen, Wiedergabe oder Export der Videos funktioniert bei mir allerdings nicht, bringt das Programm sogar zum Absturz. Analyse oder Markierungsfunktionen gibt es in diesem Programm nicht.

Silverback von Clearleft
http://www.silverbackapp.com/
Preis: $69,95
Betriebssystem: Mac

Ich war ja schon am Durchkalkulieren, ob es sich lohnt, einen Mac zu kaufen und dann dieses Tool zu nutzen, allerdings haben meine Kunden überwiegend Windows im Einsatz. Software könnte ich damit gar nicht testen und Webseiten auch nur soweit, wie keine Browser- oder Betriebssystemfunktionen benötigt werden. Ansonsten würde das Ergebnis zu sehr verzerrt (ich stell mich ja selbst an wie der erste Mensch, wenn ich zur Abwechslung mal an einem Mac sitze… ;-). Wer aber das Glück hat, nur für Mac-User zu testen, sollte sich das Programm unbedingt mal anschauen. Hat alle Funktionen, die man braucht und eine gute UX. Leider eben nur für Mac…

Mein Fazit: Es gibt immer noch keine Alternative zu Morae. Leider!