User Experience Design


Speed4Projects Website Redesign – Teil3: Seitenstruktur

Jetzt muss ich doch mal wieder einen kurzen Zwischenstand durchgeben, sonst ist das Redesign fertig, bevor ich auch nur einen Blogpost geschrieben habe. ;-) Momentan arbeite ich an 3 Strängen parallel: Logo Redesign, Design der Website und Aufbau der Inhalte. Um letzteres wird es heute gehen, weil es auch als Vorarbeit für das Website Design notwendig ist.

Ich hab mir also zunächst angeschaut, welche Inhalte sich auf der aktuellen Website befinden. So sieht der aktuelle Sitetree aus:

Folgende Änderungen werde ich daran vornehmen:

  • Critical Chain Projektmanagement stärker in den Vordergrund rücken
  • Einen eigenen Punkt „Unternehmen“ einführen
  • Begriffe der Hauptnavigation intuitiver gestalten (aktuelle Begriffe wie „µProject“ und „MPM Simulator“ erfordern zu viele Vorkenntnisse, um als Einstiegspunkte in der Seitenstruktur geeignet zu sein)

Die Hauptseiten werden sich stärker am klassischen Aufbau einer Unternehmenswebsite orientieren und ohne Vorkenntnisse verständlich sein. „Critical Chain“ bildet hier eine Ausnahme, allerdings wird der Begriff auf der Startseite deutlich als Hauptthema eingeführt und auch als Produktname verwendet. So sehen also die Hauptseiten aus, die gleichzeitig die erste Ebene der Navigation bilden werden:

Die drei bisherigen Hauptseiten „Mikroprojektmanagement“, „High-Speed-Pyramide“ und „MPM-Simulator“ werden in den Bereich Know-How verschoben. Gleichzeitig bekommen die neuen Bereiche „Critical Chain“ und „Unternehmen“ eine detailliertere Unterstruktur:

Komplette neue Seitenstruktur

Auf dieser Grundlage kann ich jetzt das Navigationsdesign, also Aussehen und Funktionalität, definieren, sowie die Inhaltsstruktur der Seiten angehen.

Verwandte Artikel

Speed4Projects Website Redesign – Teil2: Klärung der Anforderungen

Nachdem ich die Bestandsaufnahme erledigt habe, mache ich mich gemeinsam mit dem Kunden daran, die genauen Anforderungen an das Redesign festzulegen.

Wolfram erläutert mir dazu zunächst aus seiner Sicht, welche Ziele er mit der Webseite verfolgt, welche Zielgruppen er sieht und wo er sich Veränderung für die Seite wünscht. Zur Verfeinerung einzelner Punkte, wie Logogestaltung, Navigationsdesign, Typographie, schauen wir uns gemeinsam etliche Webseiten an, die wir im Vorfeld als Beispiele zusammengetragen haben. Um die Verkaufsargumente auf der Webseite optimal aufbereiten zu können, erläutert mir Wolfram zusätzlich die Methode und deren Einsatz beim Kunden.

Betrachten wir zunächst die beiden Hauptzielgruppen:

Zielgruppen

1. Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen

Persona: Chef Mittelstand

Ziel des Kunden

Lösung akuter Probleme und Optimierung seines IT-Projektmanagements

Anlass für Besuch der Website
Mehr über die Seriosität von Speed4Projects erfahren nach Empfehlung oder Erstkontakt. Sicherheit gewinnen, dass es sich lohnt, Zeit und Geld zu investieren.

Ziel Speed4Projects
Geschäftsführer nimmt Kontakt auf oder vertieft den Kontakt

Einfluss auf das Redesign
In der Regel hat die Zielgruppe wenig Zeit, keine vertieften Kenntnisse im Bereich Projektmanagement, emotionaler Ersteindruck hat großen Einfluss auf die Bewertung des Services, d.h. die Website muss schnell und einfach überzeugen:

  • Startseite muss die wichtigsten Kaufargumente überzeugend präsentieren und weiterführende Links zur Vertiefung des Themas anbieten
  • Kaufargumente und Methode müssen kurz, übersichtlich und leicht verständlich dargestellt werden und relevante Fragen klären: Löst die Methode die Probleme meines Unternehmens? Wie ist die Vorgehensweise? Wie lange dauert es, bis ich erste Erfolge sehe?
  • Vertrauen in die Methode und das Unternehmen muss geschaffen werden: Referenzen, Erfolgszahlen, seriöser Auftritt


2. Leiter von Project Offices, Programmmanager, Seniorprojektleiter

Persona: Projektleiter


Ziel des Kunden
Wege finden, um seine IT-Projekte sicherer und besser abliefern zu können, um erfolgreicher zu sein

Anlass für Besuch der Website
Fachliche Weiterbildung; Herausfinden, ob Critical Chain Project Management eine Lösung für aktuelle Probleme bietet und damit zum persönlichen Erfolg beitragen kann.

Ziel Speed4Projects: Kontaktaufnahme, Vermittlung eines Akquisegesprächs mit einer höhergestellten Führungskraft oder Geschäftsführung. Verwendung der bereitgestellten Materialien und Informationen. Weiterempfehlung des Unternehmens und der Methode.

Einfluss auf das Redesign
Verkaufsargumente überzeugend und zur Weiterverwendung in Entscheidungsvorlagen aufbereiten, komplexe Inhalte (Methoden, Werkzeuge, Videos, Wiki-Einträge, Einführungen, Vorträge, Veröffentlichungen) übersichtlich und anschaulich verfügbar machen.

Allgemeine Anforderungen

Zusätzlich zu den zielgruppen-spezifischen Anforderungen haben sich folgende allgemeine Anforderungen für das Website Redesign ergeben:

Inhaltliche Überarbeitung
  • Critical Chain Project Management stärker ins Zentrum der Website rücken, Methode und Komponenten der Beratung verdeutlichen, Rahmenbedingungen für die Einführung deutlich machen
  • Ein Teil der Materialien und Informationen sind öffentlich als Teaser zugänglich. Weiterführenden Inhalte werden in einen geschlossenen Mitgliederbereich verlagert, der für Besucher nach einer kurzen Registrierung zugänglich ist. Im Idealfall sollen Besucher bei der Registrierung Gründe für den Besuch angeben und sich im Idealfall für den Newsletter registrieren.
  • Fachliche Inhalte neu strukturieren: weniger breiter Themenzugang, detailreiche Inhalte auf unterste Ebene der Informationsarchitektur
Gestalterische Überarbeitung
  • Logo: Wunsch: Visualisierung eines Projektdiagramms
  • Farben: rot als Farbe soll bleiben, sonst schwarz, grau, weiß
  • Design: leicht, schlicht, seriös
  • Usability: einfache und schnelle Bedienung, klassische Bedienung ohne Experimente, kein Flash
  • Schriftart: bisher Avantgarde, muss nicht beibehalten werden, auf jeden Fall aber serifenlose Schrift
  • Bildsprache: Verzicht auf übermäßigen Einsatz von Agenturfotos (siehe Nielsen-Studie zur Verwendung von Agenturfotos), einheitlicher Stil für Illustrationen
  • Technologie: Typo3
Nächste Schritte
  • Webstatistik-Analyse der bisherigen Seite
  • Analyse der bisherigen Informationsarchitektur, Neugestaltung der Infoarchitektur
  • Logo-Studien erstellen
Verwandte Artikel

Speed4Projects Website Redesign – Teil1: Bestandsaufnahme 5

Wolfram Müller hat sich dankenswerter Weise bereit erklärt, dass ich das Redesign seiner Website hier im Blog dokumentieren darf. Ihr könnt also an allen Phasen teilhaben und gerne auch eure Kommentare dazu abgeben.

Es geht im Folgenden um die Seite http://speed4projects.net. Speed4Projects bietet Beratung rund um das Thema Management und Beschleunigung von IT-Projekten an. Das ist die aktuelle Startseite der Website:



Als ersten Schritt des Redesigns führe ich eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Website durch. Diesen Punkt erledige ich vor dem ersten ausführlichen Kundengespräch, um den Ist-Zustand möglichst unvoreingenommen bewerten zu können.

Logo

Bisheriges Logo Speed4projects

Der Firmenname und das Logo sind das Erste, was ich mir an einer Website anschaue. An diesen beiden Komponenten kann man recht deutlich ablesen, in welchem Stadium der Corporate Identity Findung sich eine Firma befindet. Hat eine Firma ihre Corporate Identity noch nicht gefunden, steht dieser Punkt noch vor dem eigentlichen Redesign der Website, denn nur daraus lässt sich ein Webdesign ableiten, dass das Unternehmen angemessen repräsentiert.

Das aktuelle Logo von Speed4Projects veranschaulicht grundsätzlich schon jetzt den Kerngedanken des Unternehmens: Der Pfeil nach rechts steht für Bewegung nach vorn, rot symbolisiert Dynamik und Schnelligkeit. Was verändert werden sollte, ist die Gestaltung des Logos: das Highlight über dem Pfeil ist wenig professionell gestaltet, Formgebung und Typografie lassen sich interessanter einsetzen.

Design



Headergrafik Speed4Projects

Auf den ersten Blick wird deutlich, dass die Website in die Jahre gekommen ist und eine gestalterische Auffrischung vertragen kann. Beibehalten werden kann die grundlegende Farbgebung in weiß/grau/schwarz mit roten Akzenten. Ausgetauscht werden sollte dagegen auf jeden Fall die Headergrafik. Die Gestaltung der Inhaltsboxen sollte ebenfalls überarbeitet werden.

Navigation



Schauen wir uns zunächst die Bedienung und die Gestaltung an. Mit einer horizontalen Navigation, platziert unterhalb des Keyvisuals ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite, da Besucher sie dort leicht finden. Die Bedienung der Hauptnavigation ist ebenfalls recht einfach: Anklicken des Hauptpunkts öffnet die Navigation der 2. Ebene. Die aktuell geöffnete Seite wird in der Navigation deutlich hervorgehoben. Der graue Verlauf im Hintergrund findet sich auch in aktuellen Designs.

Angepasst werden sollte auf jeden Fall die Gestaltung der 2. Navigationsebene, da sie momentan schwer wahrzunehmen ist: Die Schrift ist zu klein und es besteht kein grafischer Bezug zum Hauptnavigationspunkt. Optional kann ein Indikator ergänzt werden, der den Benutzer darauf hinweist, welcher Hauptnavigationspunkt über eine Unternavigation verfügt.

Aus inhaltlicher Sicht, sollte die Navigation komplett überarbeitet werden. Die aktuellen Hauptnavigationspunkte ergeben momentan nur ein unscharfes Gesamtbild über das Angebot der Firma. Die meisten Begriffe lassen nur wenige Rückschlüsse darauf zu, was auf den entsprechenden Seiten zu finden ist.

Startseite

Die Kernkompetenz der Firma wird in der Überschrift und im ersten Absatz der Startseite deutlich kommuniziert. Positiv ist ebenfalls, dass ein realer Ansprechpartner mit Bild und Kontaktdaten dargestellt wird. Dass die Website bearbeitet und das Unternehmen damit aktiv ist, erkennt der Besucher an den Verweisen auf aktuelle Veranstaltungen.

Verbessert werden kann die inhaltliche Hinführung auf das Thema „Chritical Chain Project Management“. Da der Begriff vielen Besuchern nicht bekannt sein dürfte, sollte er besser in Erläuterungen eingebettet werden. Um die Verkaufskraft der Website zu erhöhen sollte die Methode und die Verkaufsargumente im Einleitungsabsatz deutlicher und wenn möglich kürzer herausgestellt werden. Weiterführenden Links sollten insgesamt besser strukturiert werden.

Inhalte

Ein großer Vorteil der Website ist, dass sie bereits jetzt über viele und vor allem qualitativ hochwertige Inhalte verfügt. Was sich noch verbessern lässt, ist die Struktur der Inhalte. Hier sollten Hierarchie und Gesamtzusammenhang der einzelnen Themen deutlicher werden.

Typografie und Schreibstil

Beispiel Typografie Speed4Projects

Die Texte sind in übersichtliche Absätze gegliedert und durch die Textgröße gut lesbar. Die gewählte Schriftart gibt der Seite einen sehr nüchternen Charakter.

Die Texte sind in wissenschaftlichem Stil geschrieben. Hier gilt es eine Differenzierung im Sprachstil herauszuarbeiten, so dass auf den Einstiegsseiten dem Erstbesucher ein schneller und einfacher Einstieg in das Thema ermöglicht wird, Profis dagegen auf den Unterseiten Detailinformationen im jetzigen Stil präsentiert bekommen.

Fazit

Die Grundsubstanz der Website ist durchaus solide. Aus rein funktionaler Sicht gibt es nur wenige Punkte zu bemängeln. Aus gestalterischer Sicht ist die Website nicht mehr zeitgemäß und sollte aufgrund des Einsatzes im professionellen Umfeld überarbeitet werden.

Ich bringe an dieser Stelle gerne folgenden Vergleich: ein Trainingsanzug erfüllt auch grundlegende Bekleidungsanforderungen aber man würde ihn trotzdem nicht zu einem Geschäftstermin anziehen. Auch eine Website sollte in diesem Sinn Anspruch und Stil eines Unternehmens widerspiegeln.

Im nächsten Artikel erfahrt ihr mehr über das erste Gespräch mit dem Auftraggeber und die Klärung des Redesign-Umfangs.


Geräte zum Aufzeichnen von Fokusgruppen

Eine Fokusgruppe muss nicht immer in den speziell ausgestatteten Räumen eines Marktforschungsinstituts stattfinden, in vielen Fällen reicht ein normaler Besprechungsraum. Ist keine Videokamera zur Hand, genügt in der Regel eine Aufzeichnung der Sitzung per Audio. Für diesen Zweck habe ich vor kurzem 2 Geräte getestet:

Olympus VN-8700PC 4 GB

Aufzeichnung Fokusgruppen Olympus Diktiergerät

Das Gerät ist wirklich idiotensicher in der Bedienung: Record drücken zum Aufnehmen, Einstecken in den Rechner und mp3-Datei runterladen. Trotzdem die Fokusgruppe bei offenem Fenster in einer Fußgängerzone mit Straßenbahn stattfand, konnte man alle Teilnehmer gut verstehen. Um die Hintergrundgeräusche noch besser auszufiltern, werde ich beim nächsten Mal zusätzliche ein Mikro verwenden, das für das Diktiergerät erhältlich ist. Für die Auswertung kommt jeder beliebige Musikplayer in Frage, Vor- und Zurückspulen ist damit recht einfach.

Kosten: ca. 70,- EUR, Mikrofon nochmal 23,- EUR
Fazit: Solide Basisausstattung, die man auch für andere Zwecke gut einsetzen kann.

Livescribe Pulse Smartpen 2GB

Aufzeichnung Fokusgruppe Livescribe Pulse Smartpen

Dieses Gerät ist etwas tricky in der Bedienung, macht aber auch unheimlich Spaß und ist seeeehr faszinierend. ;-) Zuerst ein paar Worte zur Funktionsweise: Im Stift integriert ist ein Mikrofon für die Audioaufzeichnung. Zusätzlich verfügt der Stift über einen optischen Sensor, der die Notizen digitalisiert und automatisch dem Zeitpunkt der Audioaufzeichnung zuweist. Bei der Auswertung kann ich mit dem Stift in die Notizen klicken und erhalte dann die zugehörige Stelle der Audioaufzeichnung abgespielt.

Für die Verarbeitung der Daten gibt es den so genannten „Livescribe Desktop“, eine Software, mit deren Hilfe man die Audio- und Notizen organisieren kann. Hier erhält kann man per Mausklick in die digitalisierten Notizen ebenfalls die entsprechende Audiostelle abspielen.

Aufzeichnung Fokusgruppe Livescribe Desktop

Die Aufzeichnung ist etwas dumpfer als beim Diktiergerät, dafür filtert das Gerät die Hintergrundgeräusche wesentlich besser heraus. Für die Auswertung ist das angenehmer. Hilfreich ist auch, dass ich mir während des Anhörens der Audiospur noch Notizen machen kann, die bei einer späteren Synchronisation des Stifts übernommen werden.

Das Gerät bietet noch viele weitere Funktionen, u.a. die Dokumente direkt im Web zu veröffentlichen (öffentlich oder für einzelne Besucher). Das kann man z.B. für kurze Demos oder Entwürfe nutzen. Mehr Informationen gibt es auf http://www.livescribe.com. Die Preise für das Spezialpapier, das man für die Notizen benötigt, hält sich auch im Rahmen.

Kosten: ca. 90,- EUR das Gerät, 4 A5 Notizbücher ca. 15,- EUR
Fazit: Die Installation und Einarbeitung erfordert etwas Zeit. Wenn man sich an einen ausführlichen Notizstil gewöhnt hat, spart einem die Technologie aber auf jeden Fall Zeit bei der Auswertung, da man nicht die gesamte Sitzung noch einmal anhören muss.

Fazit

Ich werde zukünftig das Diktiergerät für die Backup-Aufzeichnung nutzen, den Livescribe Pen für die Hauptaufzeichnung und die Auswertung.


Produktdesign für Senioren 2

Ich habe gerade mit einem spannenden neuen Themenfeld zu tun: Produktdesign für Senioren. Ich kann mich noch gut an eine Auseinandersetzung mit meiner Großtante erinnern, die sich mit 85 Jahren partout keine orthopädischen Schuhe anfertigen lassen wollte, weil „die aussehen wie Schuhe für alte, kranke Leute“.

Zeit also für ein Umdenken aus Design-Sicht, denn die Kaufkraft dieser Generation macht in vielen Produktbereichen einen signifikanten Anteil am gesamten Volumen aus. Einen ersten Einblick in das Thema und interessante Eckdaten dazu finden sich im Vortrag von Dr. Wolfgang Adlwarth: „Konsum- und Kaufverhalten der Generation Silber: Wo liegen die Potenziale?“.

Um etwas Recherche zu betreiben, war ich vorletzten Freitag auf der Rehab-Messe hier in Karlsruhe. Dort ergab sich ein spannendes Gespräch mit Günther Schunn, Produktdesigner aus Göpppingen, der sich mit der Gestaltung von Badezimmermöbeln für Senioren beschäftigt. Günther stellte auf der Messe den Prototyp eines Waschtischs und Duschstuhls für Senioren vor. Spannend aus UX-Sicht war auch der Gestaltungsprozess selbst. Günther hatte zunächst analysiert, was die Besonderheiten bei der Nutzung eines Badezimmers durch die Zielgruppe sind, z.B. an welchen Stellen Hilfe zum Abstützen oder Griffe zum Hochziehen benötigt werden:
Analyse Nutzung Badezimmer

Eingeschränkt in Bewegung und Sicht durch einen so genannten „Ergonomieanzug“ (eigentlich sollte das Ding Anti-Ergonomieanzug heißen…) ging auch Günther selbst die Stationen der Badezimmernutzung durch:
Bad Usability Eigenversuch im Ergonomieanzug

Basierend auf diesen Ergebnissen arbeitete Günther unter anderem folgende Designvarianten für den Waschtisch mit integrierten Griffen und großen Ablageflächen aus:
Designvarianten Waschtisch

Im Usabilitytest mit Prototypen wurden unterschiedliche Materialeigenschaften und Konstruktionsweisen getestet:
Usabilitytest mit Prototyp

Die Formgebung wurde anhand verschiedener Prototypen verfeinert und mit Hinblick auf die Produktionskosten optimiert:

Und so sieht das fertige Produkt aus:
Finale Badeinrichtung Vivao

Eine überaus gelungene Kombination aus Ästhetik und Funktionalität, die zeigt, dass man Produkte bauen kann, die den Anforderungen von Senioren gerecht werden aber keinesfalls so aussehen, als hätte man sie aus dem Krankenhaus ausgeliehen. Bleibt zu hoffen, dass mehr Designer diesen Trend aufgreifen.

Vielen Dank an Günther für das Bereitstellen der Bilder.


ACM Case Study: UX Design and Agile: A Natural Fit?

In der aktuellen ACM communications Ausgabe findet ihr ein Interview zum Thema UX in agilen Projekten: ACM Case Study: UX Design and Agile: A Natural Fit? Im Interview: Julian Gosper (UX-Designer) und Jean-Luc Agathos (Software Architekt), die über die Entwicklung des SAP BusinessObjects Explorers (BOx) berichten.

Da ich selbst gerade ein agiles Projekt „durchlitten“ habe, hat mich natürlich brennend interessiert, wie so etwas beim Riesen SAP abläuft. Ein Halbsatz relativ weit am Anfang des Artikels, legt schnell die Vermutung nahe, dass agile Projekte auch hier nicht anders ablaufen als sonst wo:

Although the Polestar team didn’t have the budget to conduct contextual inquiry […]

Projekte gehen also auch bei SAP an den Start, ohne eine Analyse des Umfelds, in dem das Produkt eingesetzt wird und ohne Anforderungsanalyse bei den späteren Nutzern. OK, niemand, der jemals mit einer SAP Oberfläche gearbeitet hat, wird etwas anderes erwartet haben… ;-).

Ich bin trotzdem neugierig, ob ich irgendwelche Informationen darüber finden kann, wie das Produkt beim Endkunden ankommt. Die Menge an Material ist dünn. Die einzige Rezension zum Thema, abgesehen von einer Menge offiziellem Werbematerial, gibt es von mayato.com:
http://www.mayato.com/downloads/Fact_Sheet_BOBJ_Explorer.pdf

„Der BOx selbst ist ein insgesamt gelungenes Werkzeug, dessen Integration in die „klassische“ SAP-Welt trotz kleinerer Brüche, z.B. bei Berechtigungen, Sprachabhängigkeit und Deployment/ Transport, grundsätzlich gut umgesetzt wurde. Allerdings kommen die Vorteile des BOx primär nur in solchen Anwendungsszenarien zum Tragen, in denen große Datenmengen auf relativ einfache Analysebedarfe treffen.[…] Darüber hinaus darf auch nicht übersehen werden, dass die Bereitstellung von Daten für den BOx, insbesondere bei Verwendung der Data Services, weiterhin spezielles Entwickler- bzw. Beraterwissen erfordert. Die Forderung nach unabhängig von der IT-Abteilung realisierbaren Adhoc-Analysen ist somit auch mit diesem Tool nicht uneingeschränkt erfüllbar.“

Eine euphorische Produktbeschreibung hört sich wohl anders an… Spannend wäre es, Meinungen aus erster Hand, direkt von echten Nutzern zu bekommen. Falls es da draußen also Menschen gibt, die mit dem Produkt schon gearbeitet haben, wäre es spannend zu hören, was ihre Erfahrungen sind!

Abgesehen davon finden sich im Interview noch einige spannende Aussagen zu grundlegenden Fragen des User Experience Designs in agilen Projekten:

Wann sollten UX Designer im agilen Projekt einsteigen?

„If you have a good set of user stories that have been agreed upon by the executive members of the project and include clear definitions of the associated workflows and use cases, then the Agile iterative process can begin. […] On the basis of that, both UX interaction designers and the development team should have enough to get going in parallel.“

Dem möchte ich noch hinzufügen, dass UX-Designer den Productowner bereits bei der Definition der User Stories mit Analysen, wie Usability Tests, Fokusgruppen, Interviews oder Umfragen unterstützen sollten.

UX Design bedeutet mehr als nur Oberflächen entwerfen!

„Collaborating closely with development at that stage was appealing in this particular case, however, because some of the directions we were taking with the user interface were likely to have serious back-end implications—for example, the ability of the application to return and reevaluate facets and visualizations with each click.“

„[…] is that Julian [the UX designer] essentially ended up taking on both roles. He acted as a program manager because he knew what the user stories were and how he wanted each of them to be handled in terms of product functionality. He also had a clear idea of how he wanted all of that to be exposed in the UI and how he wanted end users ultimately to be able to interact with the system. That greatly simplified things from my perspective because I had only one source I had to turn to for direction.“

Wie sieht ein Spezifikationsdokument für Oberflächen in agilen Projekten aus?

„Sometimes a set of wireframes supporting a particular use case seemed to be good enough, since most of what I wanted to communicate could be inferred from them. But there were other times when it would have been helpful for me to break things down into more granular specifications.“

Fazit: in so einem zielgerichteten und geordneten agilen Projekt möchte ich auch mal mitmachen. Vielleicht ergibt sich irgendwann ja mal die Chance… ;-)


Windows 7 Backup: Irritierende Fortschrittsanzeige

Die Datensicherung beschäftigt mich weiter. Die Tage habe ich das Windows Backup angeschmissen und bekomme folgenden Screen, der mir den Fortschritt der Sicherung anzeigt:

Screenshot Datensicherung im Betrieb

Weil ich der Geschichte immer noch nicht ganz traue, werfe ich, während ich weiter arbeite, immer mal wieder einen kurzen(!) Blick auf die Fortschrittsanzeige:

Screenshot Datensicherung fertig

Nach 4 Stunden wunder ich mich, dass sich die scheinbare Fortschrittsanzeige keinen Millimeter weiter bewegt und gehe natürlich davon aus, dass sich die Sicherung aufgehängt hat (ich trau der ganzen Sache ja immer noch nicht…). Bis ich dann nach seeeeeehr langem Hinschauen feststelle, dass das, was ich für die Fortschrittsanzeige gehalten hatte (der blaue Balken), die Anzeige für die Speicherbelegung auf meiner externen Festplatte ist.

Zwar ist es schön, dass der Designer versucht hat, der alten Speicherplatzanzeige, die es jetzt seit bestimmt 10 Jahren unter Windows gibt, ein Facelift zu verpassen, die Benutzbarkeit sollte an dieser Stelle aber die Hauptrolle spielen. Windows-Benutzer haben sich daran gewöhnt, dass eine Speicherplatzanzeige ein bestimmtes Aussehen hat und auch wenn pink und blau jetzt nicht mehr unbedingt als zeitgemäße Farbkombination gilt, das Ding funktioniert:

Der Dialog sollte im einfachsten Fall also so gestaltet werden, um die beiden Anzeigen klar voneinander unterscheidbar zu machen:

Was das Redesign der Speicherplatzanzeige angeht: sollte sie modernisiert werden, so sollte das Element an allen Stellen ausgetauscht werden und nicht nur punktuell.